Contents : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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1-  WZe-  Alk  UroKtmnmntr  MMdk»  m  20.  gqnttrr  1890.  -^g  is»j.
xt  Arbeit^
)y  Zeitschrift  1  //
für  Hit  Merklseii  Her  Ivanen  miü  Mäüchkii  Bes  nrbeiteiiöen  $üto.
fcvgnit  aller  auf  dem  Kode»  der  modernen  Sebrilerbewegiiug  stellende»  VreeiniHnngrn  der  Arbrilerinnen.
-«o-  Eintracht  macht  stark  -  SildnttA  macht  frei!
NkdaNion:  Emma  Ihrer.  Velten  (Mark).  —  Expedition  und  Verlag:  E.  Iensen  &  (io.,  Hamburg,  35  Rosenstrahc.

Erscheint  wSchentlich  einmal  und  zwar  am
Sonnabend.

Annoiicci,  pro  Zeile  20  Pfennig.  Vereine  erhalle,!
Rabatt.

Aboiineincnt  pro  Vierteljahr  1  Mark,  Einzelnummer
10  Ps.  Dirclt  per  Kreuzband  Mk.  1.40.

Freunde  und  Freundinnen!  Sorgt  für  die  Verbreitung  der  „Arbeiterin"!

Aufruf!
Wir  lebten  hier  !»  Dämm'ruug  tief.
In  unser',»  Haupt  das  Denken  schlies.
Wir  schafften  spät,  wir  schassten  frühe.
Bei  hartem  Zwang,  mit  schwerer  Mühe.
Dian  hat  von  jeher  uns  gelehrt,
Daß  wir  nicht  haben  eig'nen  Werth.
Nicht»  darf  für  sich  die  Frau  erstreben.
Für  Mann  lind  Kind  nur  soll  sie  leben
So  war'»  gelehrt,  so  war'»  geglaubt,
So  ward  der  Frau  da»  Recht  geraubt:
Da«  Recht,  zu  wosten  und  zu  denikn.
Da»  cig'ne  Schicksal  selbst  zu  lenken.
.Doch  plötzlich  sind  wir  aufgewacht,  —
Die  bitt're  Noth  hat  es  vollbracht.
Sie  pocht  an  uns'rcü  Hirne»  Schranken:
Heraus  Ihr  schluuuucrnden  Gedanken!
Sie  spricht:  Ermanne  Dich,  o  Frau!
Ter  Kraft  im  eig'nen  Busen  trau.
Wirf  ab  der  Kette»  schwere  Bürde
Und  fühle  Deine  Menschenwürde.
Im  Lichte  .sieh'n  wir','  frei  und  frank.
O  herbe  Noth,  Dir  werde-Dank!
Dil  hasi  zu  denke»  uns  gelehrt,
Du  gabst  die  Kraft,  die  Dich  zerstört-Nicht
  mit  deiti  Mann,  der  unser  Feind,
Der  uns're  Rechte  schroff  verneint;
Nur  mit  Genossen  gleichen  Streben»
Geschlossen  sei  der  Bund  de»  Leben»--Dieselbe
  Pflicht,  daffelbe  Recht
Führt  Mann  und  Weib  nun  in'»  Gefecht,
Mil  gleicher  Kraft,  mit  gleichen  Waste»
Ein  schöne»  Leben  unü  zu  schaffen.
In  Ost  und  West,  in  Nord  und  Süd.  —
Arbeiterinnen,  hört  da»  Lied!
Erwacht  und  folget  unser'»  Bahnen
Hub  führt  zum  Siege  uns're  Fahne:,.
So  laßt  unü  wirken,  dich!  geschaart.
Nu»  Frauen  neuer,  echter  Art.
Daß  siegessroh  der  Ruf  erschalle:
Freiheit  und  gleiche»  Recht  für  Alle!
.  Obeustcliciider  poetische  Aufruf,  von  einer  u»s»«r
beliebtesten  Genossinnen,  ivrtcht  bereits  aus.  welchen
Zwecken  unsere  Zeitung  dienen  soll:  dem  Kampfe
für  die  Gleichberechtigung  des  weiblichen
Geschlecht»  aus  wirlbschastlrchem  und
Volt  tischen,  Gebiete!  Wenn  auch  heute  bereit»
alle  wahren  VotlSfrcunde  diesen  Kamps  mit  zu  c-em
ihren  machte,,,  wenn  die  Arbeiterzeitungen  auch  ebenfalls ­
  für  die  weiblichen  Arbeiter  ciutrclcn,  so  bat  11,18
doch  bisher  ei»  eigentlicher  Zusammenhalt  gefehlt,
denn  eine  völkische  Tageszeitung  ist  nicht  im  Stand:
uuS  den  Raum  zu  gewähren.  den  wir  brauche»,  um

genau  berichte»  zu  können  über  de»  Stand  der
Arbeiterinnen-Bewegung  und  die  Organisationen  derselben. ­
  Auch  bcdüricn  die  Frauen  ein  Organ,  das
in  verständlichster  und  schlichtester  Weise  de»  Frauen
die  für  da»  ganzr  Volk  wichtigen  Tagcsfraacn
erläutert,  da  wir  hier  rin  volles  Verständniß  nicht
voraussetze»  können,  weil  dem  größten  Theil  dcr
Fraucn  bis  jetzt  die  Vorbildung  dafür  fehlt.
Wir  haben  lang-  gewartet,  bevor  wir  aus  de»
von-allen  Seiten  laut  gewordenen  Wunsch,  eine
speziell  für  die  Frauen  bestimmte  Zeitung  hcrauszuaeden.
  eingingen.  Es  ist  aber  nicht  das  erste  Mal,
daß  ein  solches  Unternehmen  versucht  wird  und  guten
Erfolg  Hai.  Bereits  in  der  ersten  Hülste  der  achtziger
Jahre  gab  Frau  Gm't.a»nic-Schack  die  „Slaaksbürgcrii?
  heraus  (Orgc.i  für  die  Frauen  undMädchcn
  des  arbeitenden  Volkes),  und  seil  dieses  nach
lauin  einjährige».  Erscheinen  cbcnsalls  dem  Socialistengesetz ­
  zum  Ovsir  fiel,  verband  •  uns  nur  der  gleiche
Gedanke,  das  gleiche  Strebe»  mi,  cinander,  daS
Streben  nach  der  völligen  Selbstständigkeit,  auch  dcr
Frauen.
Und  von  alle,,  Frauen  und  Mädchen,  welche
schon  thätig-  Milarbeiteriimcii  in  der  ArbeilcrinNen-Bcwcauna
  sind,  sowie  von  allen  Männer»,  welche
für  die  Befreiung  de»  arbeitenden  Volkes  eintreten,
erwarten  wir  tbatkräftige  Unterstützung  dieses  tlnlcrnchincnS.
  Es  stehen  uns  keine  anderen  Mittel  zur
Verfügung,  als  unsere  Arbeitskraft,  zu  der  jede
einzelne  Arbeiterin  die  eigene  hinzusiigen  möge,  damit
wir  nicht  SchiffbruÄ  leiden  mit  unsern,  Zeitunas-„„tcrnchmen,
  sondern  bald  beweisen  können,  was  der
weibliche  Theil  des  Proletariats  mi8  eigener  Kraft
vermag,  wenn  es  gilt,  den  ärgsten  Feind  Aller,  de»
Unverstand  zu  bekämvscn  und  mit  dicfcm  dir  moderne
Ausbeutung  der  Frauen  auf  allen  Gebieten.  -
„Was  wollen  die  Fronen  mit  einer  eigenen
Zeitung?"  wird  man  uns  vielseitig-entgegenhalten,
„sind  nicht  Arbeiterblättcr  genug  da,  die  des  Lesens
werth  sind?"  Gewiß!  Doch  gebt  dem  ländlichen
Arbeiter,  der  abseits  von  aller.Kultur  lrbt.  eine  volitische
  Zeitung,  eine  Fachzeirung  in  di-  Hand  und  er
wird  ne  bald  wieder  ungelesen  sortlcgcn.  weil  daS
Interesse  für  Dinge,  die  außerhalb  fcincS.Gcstchlskreiscs
  liege»,  bei  ihm  noch  nicht  geweckt-  ist.  Ganz
ebenso  bei  den  Frauen,  die  man  bisher  hinter  den
Hccrd,  daS  Waschfaß  oder  die  Kindcrwicgc  verwies,
wen»  sic  sich  außerhalb  des  HauscS  umsehen  wollten.
Wen»  wir  wollen,  daß  die  Bewegung  der  grraucn
erstarkt,  müssen  wir  darauf  bedacht  sein,  nicht  nur
die  Jndnstricorbcitcrii,  zu  gewinnen,  sondern  auch  die
Hausfrau,  denn  die  Letztere  ist  theilweisc  ebenso  entmündigt ­
  wie  die  Erstere.
Wir  wollen  nicht  nur  die  materielle,  sondern
helfci^'^  Hebung  der  Frauen  herbeiführen
Um  die  Frauen  aber  kanivsfähig  zu  machen,
gut  -S  vor  Allem  die  unwürdigen  Fesseln,  welche
das  weibliche  Geschlecht  einengen,  abzustreiten,  und
dies  tonnen  wir  nur.  indem  wir  jederzeit  unsere
Selbstständigkeit  beweisen,  indem  wir  die  Lücken
unseres  Wissen«  auszufüllen  versuche»  und  uns  über
AllcS  zu  unterrichten  trachten,  waS  uns,  in  falscher
Beurtheilung  dcS  weiblichen  Geschlechts,  vo»  der
bcnllgcn  Gesellschaft  vorcnihanen  wird.  Doch  dieS
kann  nur  durch  Schriften  geschehen,  die  sich  ganz
dem  Verständniß  der  Mehrzahl  der  heutigen  Franc»
anvassen.  Wir  wollen  Mittämvscrinncn  werden  für
die  Emanzivalio»  des  arbeitenden  Volkes  aller  Länder.
Vorerst  aber  müssen  die  Frauen  selbst  frei  werden
von  allen  Ausnaomebestimmungen!
S-tetS  wollen  wir  kämpfen  für  Freiheit,
Wahrheit  und  Recht!
An  den  Frauen,und  Mädchen,  für  die  dies«
Zeitung  ins  Leben  trift,  wird  cs  nun  liegen,  selbst

energisch  ,ür  dieselbe  einzutreten,  dieselbe  so  viel  als
niöglich  zu  verbreiten  und  auch  fleißige  Ätiiarbciicri,iitci
  dafür  zu  fein,  damit  wir  bald  durch  eine
stattliche  Anzahl  Abonnciiiinnen  ßic  Verechiignng  und
Nothwendigkeit  unserer  Zeitung  nachweisen  können.
Arbeiterinnen  werbet  für  Eure  Zeitung,
cs  gilt  dem  Kamps  gegen  die  Sklaverei
der  Frauen!
Für  die  weitere  Folge  habt»  wir  uns  um  die
Milarbeit  der  bekannten  Schriftstellerinnen
Frau  El.  Zetkin?  Paris,
»  Marx-Av'tliiig-London,
„  Kautskr,.
Guillaumc-Schack
beworben  und  erwarten  wir  bercilS  für  nächste
Nummer  einen  Beitrag  )u  crhalicn.
Wir  werden  den  Leserinnen  auch  UntcrhaltcndcSbicleii.
  indem  wir  auch  Nomane.und  Novellen  bringen,
die  unsere,-..  Anschguunaer.  rmsvrcchcn  -.:i:t-»/uL>.ich-Bclehrung
  biete».  Auch  für  Küche  und  Hauswirtb--'
schüft  werden  wir  in  Znkunsl  Interessantes  und
Wisseiiöwerlhes  bringe»  und  überhaupt  den  Wünschen
der  Leserinnen  „ach  allein  Richmiigen  nach  Möglichkeit ­
  Rechnung  tragen.
Dir  Rrdalriion.
AkoNncnieirts-KtstlingMkM.
„Die  Arbeiterin"  erscheint  wöchentlich  einmal
und  kostet  vierteljährlich  1  Mark.
Ein  Exemplar  direkt  per  Kreuzband  bezogen
kostet  1  Mark-40  Pfennig.
Bei  Einzelbezug,  numiiieriiweisc,  kostet  die  Nummer ­
  10  Pfennig.
Für  Diejenigen,  welche  mininicriiweisc  beziehen,
ist  moiiatliche  Zahlung  gestattet  und  zwar  öö  Psg.
pro  Exemplar.
Der  Betrag  ist  nach  EnTpsang  der  zweiten
Nu,linier  per  Poslanmcisniig  oder  in  Bricsmnrkcn  zu
zahlen.  Die  ferneren  Nummern  werden  ausnahmslos
nur  an  Diejenigen  gesandt,  welche  bczabll  haben.
.  Es  emviichtl  sich,  in  jeder  Stadt  eine  Annahmestelle ­
  für  AboiiiicmentS  zti  errichte»  und  die  Wahl  der
betrestciidcn  Kslvortißun  in  öffentlicher  oder  Mitgliederversammlung ­
  vvrznnchmc».  '
Weilers  Exemplare  dieser  erste»  Nummer  stehen
gerne  zu  Diensten.
Die  Erprditis»  der  „Arbeiterin"
Hamburg.  Roscnsiraße  35.
Al,  Die  strrljt!.  pahtiom  litt  ArbliwMItll!
An  Bit  Mwt  to  Al»M-«Ml>istIiMllI
Indem  wir  Ihnen  vorliegend  die  Probcniinimer
des  bereits  auf  dem  Parlcikongrcß  in  Halle  angekündigten ­
  ArbeitcrinnenorganS  unterbreiten,
bitte»  wir  Sic,  auch  in  Ihren  Kreisen  für  die  Verbreitung ­
  desselben  thätig  zu  sein.  Wo  cS  angebt,
bitten  wir  das  Proara  MIN  der  Zeitung  den
Ihnen  nahe  stehenden  Frauenkrciscn  zur  Kenntniß
zu  bringen,  auch  die  Bildung  von  Arbcitcnnncn-Vereincn
  ,m  Anschlüsse  daran  in  die  Hand  zu  nehmen.
Im  Voraus  Dank.
Redaktion  und  Verlag.
Achtung!
An  alle  Empfänger  ton  Vro6e«am«ero
richten.wir  die  dringende  Bitte,  d>e  erhaltenen  Rum»
„uro  sofort  ia  Umlauf  zu  setzen!  -
Redaktion  und  Verlag.

176.  Titelseite  der  Probenummer:  „Die  Arbeiterin"
            
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