Probenummer.
Die Gleichheit.
Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen.
Herausgegeben von Emms Ihrer in Velten (Mark).
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StuLIßart
Samstag, den L8. Dezember
18SL.
Zuschriften an di« NedaNIon rer „SÄchhelt" s»id p> richlrn
an Fr. Klara Eißnor iZeliin), SluIIga«. PvII^bi.h!.
Llrajie »«», IV. Die Skprdilion l-rsindr! sich in € lullgurl.
Fu«»l>ach.LIr-ße >2.
An die
dieser Runimer tritt „Die Gleichheit" an die Stelle
der vielen liebgewordene» Zeitschrift „Die Arbeiterin."
(Sgß&l Wer „Die Arbeiterin" bisher und unter schwierigen
V Verhältnissen am Werk gesehen, der kennt mithin auch
das Programm, das sich „Die Gleichheit" stellt, die prinzipielle
Grundlage, auf der ihre Haltung fußt.
Allein in Folge veränderter äußerer Unistände hoffen wir. den
Wirkungskreis des Blattes beträchtlich zu erweitern, und für die
neu hinzukomnicnden Leser dürften einige Worte der Erklärung
nicht übersiüssig sein.
„Die Gleichheit" tritt für die volle gesellschaftliche Befreiung
der Frau rin, >oie sie einzig und allein in einer im Sinne des
Sozialismus umgestalteten Gesellschaft möglich ist, wo mit der
ökonomischen Abhängigkeit eines Menschen von einem andere. Menschen
die Grundursache jeder sozialen Knechtung und Aechtung fällt. Sic
geht, von der Ueberzeugung aus, daß der letzie Grund der Jahrtausende
alten niedrigen gesellschaftlichen Stellung des weiblichen
Geschlecht- nicht in der jeweiligen „von Männern.gemachten"
Gesetzgebung, sondern in den durch wlrthschaftliche Zustände
bedingten Eigenthumsverhältnissen zu suchen ist.
Mag man heute unsere gesammte Gesetzgebung dahin abändern,
daß das weibliche Geschlecht rechtlich auf gleichen Fuß
mit dem männlichen gestellt wird, so bleibt nichtsdestoweniger für
die. große Masse der Frauen, die nicht so vorsichtig gewesen, eine
hohe Rente mit zur Welt zu bringen, die gesellschaftliche Versklavung
in härtester Form iveiterbestehen: ihre wirthschaftllche Abhängigkeit
von ihren Ausbeutern.
Dieser Ansfassung gemäß erblicht „Die Gleichheit" den Feind
der Gleichberechtigung deS weiblichen' Geschlechts weder in dem
Egoismus, noch in den Äorurtheilen der Männerwelt, sie predigt
nicht den Krieg von Geschlecht zu Geschlecht, sie glaubt nicht an
dir Messiasrolle einer zu Gunsten der Frauen veräudcrlen Gesetzgebung.
Soll damit eiwa gesagt sein, daß wir auf. den Kampf für die
rechtliche Gleichstellung der Frau mit den. Manne verzichten, soweit
wir sie innerhalb der heutigen Gesellschaft erhalten können?
Mit Nichten und im Gegentheil. Wir fordern diese Gleichstellung,
wir werden nnt aller Energie für dieselbe eintreten, aber sie kann
nicht unser letztes Endziel sein, sie ist un» nur ein höchst werthvolles,
ja unerläßliches Mittel, dieses Ziel zu erreichen.
Kanu die volle Befreiung der arbeitenden Frau nur «-folgen
auf Grund einer völligen Umgestaltung der bestehenden Gesellschaftsverhältnisse,
so ist damit auch die Haltung vorgeschrieben, die
sie in den heutigen gesellschaftlichen Kämpfen einzunehmen hat: Sie
muß theilnehmcn am Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische
Gesellschaft, weil einzig und allein ein siegreiches Proletariat die
Macht mid den Willen besitzt, die Gesellschaft so umzugestalten,
daß jede wirthschastliche Abhängigkeit deS Menschen von dem
Leser!
Menschen ein Ende nimmt. In diesem Kampfe ober sind die
ausgedehntesten politischen Rechte. — die Arbeiterbewegung hak
dies bewiesen — vorzügliche und unentbehrliche- Waffen.
Die wohlhabende. Frau bedarf zu ihrer Emanzipation, ihrer
Befreiung blos der rechtlichen Gleichstellung mit dem Planne.
Die Frau des Proletariats dagegen bleibt, auch wenn sie
ihre rechtliche Gleichstellung mit dem Planne errungen, noch unfrei,
abhängig vom Kapitalisten. Sie muß deshalb olle Bestiebungcn
unterstützen, welche darauf abzielen, die Placht der Kapitoiistenklassr
zu beschränken, die Macht der Arbeiterklasse dagegen zu erweitern:
sie muß der Bourgeoisie alle die Konzessionen abzuringen
suchen, »velche geeignet sind, das Proletariat körperlich, geistig und
sittlich zu heben.
„Die Gleichheit" vertritt in erster Linie die Interessen der
Prolelarieriiinen, ohne Unterschied, ob dieselben dem Proletariat
der Kopfarbeit oder dem der Handarbeit angehöreu. Zwar sind
sich die Ersteren ihrer oft in gefälligere Formen gehüllten, aber
um so schwerer lastenden Klassenlage vielfach nicht bewußt oder
wollen dieselbe nicht cingesteheii. Allein wir sind davon überzeugt,
daß ihnen allen, den Lehrerinnen, Buchhalterinnen, Schriftstellerinnen,
Komptolristinnen re. durch die Entwichlung der wirthschaftlicheu
Verhältnisse die Erkenntniß dieser ihrer Zugehörigkeit
zum Proletariat, die Erkenntniß der Nothwendigkei!. in Reih und
Glied der kämpscuden Arbeiter zu treten, ausgezwungcn wird.
Die große Masse der Proletarierinnen der Handarbeit ist ja
auch noch nicht zum Bewußtsein-ihrer Klassenlage, ihrer Psilchlcn
und Rechte erwacht, und trotzdem .— oder vielmehr gerade deswegen
— ist sie c8, an welche sich '„Die Gleichheit" in erster
Linie wendet. Der Proletarierin, die nicht mehr blos für das
Haus und die Familie, sondern auch für den Kapitalisten arbeitet,
und die sich non' der Knechtschaft des letzteren zu befreien suche»
muß, liegen noch andere Pflichte» als die ob, welche früher ausschließlich
ihr Leben und Sein beherrschten. Zu der gewissenhaften
Erfüllung dieser Psiichten muß die Frau erzogen werden. Dies
Ziel ist um so schwerer zu erreichen, als die Frau bis jetzt mit
ihren Interessen und Gefühlen ausschließlich im Hanse und nicht
im öffentlichen Leben wurzelte, nur der Familie, nicht der Allgemeinheit
ihr Interesse entgegenbrachte: Hier gilt es nicht blos
den Geist aufzuklären, vielmehr auch das Gemüth zu bilden, im
Herzen die rechte Wärme, die flammende Begeisicrung für die
neuen Ziele zu erwecken.
Von diesen Gesichtspunkten geleitet, tritt „Die Gleichheit"
an ihre Aufgabe heran, eine Zeitschrift für die Interessen der
Arbeiterinnen zu sein. Aber wie ein Blatt wird, daü hängt
nicht allein von der Redaktion und de», Verlag, sondern auch
von, Publikum ab. Möge uns daher die Symp-ubit nn'o Mitarbeit
Aller zu Theil ivcrden, die mit uns die aleichen Ziele verfolgen.
Die Redaktion rrrrd der DerlaH«
177. Titelseite der Probenummer: „Die Gleichheit"