Full text: Weltporto-Reform

124 
herabgesetzt, zeigten in 1 l /s Jahren eine Verkehrsabnahme um 
77 Millionen Stück oder 30 °/o, wodurch zweifellos der übrige 
Briefpostverkehr auch vermindert wird, da diese Beilagen durch 
Inserate Angebot und Nachfrage zur Korrespondenz anregen und 
dadurch indirekt Portoeinnahmen schaffen, die-sie selbst direkt 
in solchem Masse nicht erzielen können. 
Besonders verhängsnisvoll war die vom Reichstag improvi 
sierte und aussergewöhnlich misslungene Fahrkartensteuer 
(Stempelsteuer) des Reiches auf die Personenfahrkarten, auch der 
Staats- uud Reichseisenbahnen, dem Wesen nach eine Tarif 
erhöhung von buntester Willkür in dem einen und anderen Falle. 
Sie hat durch ihre verkehrshindernde Wirkung und durch die 
Hinabdrückung der Reisenden in die niederen wohlfeilen Wagen 
klassen der Staatsbahnen der deutschen Einzelstaaten Verminde 
rungen der zu erwartenden Einnahmen verursacht, die vermutlich 
etwa ebenso gross oder bei Mitwirkung der Fahrpreiserhöhungen 
wahrscheinlich noch viel grösser sind, als das, was das Reich 
erhält, und die anfänglichen Steuer-Einnahmeschätzungen sind 
auch nicht annähernd erreicht worden 2 j. 
rungs-Selbstkosten damit nicht gedeckt würden (die Herstellung kostet etwa 
0,3 bis 0,4 Pf. für jede Karte', kann man kaum allgemein behaupten, denn 
die Zeitungen bringen unter dem letzten reformierten Zeitungstarif nur etwa 
1 l /n die Beilagen jetzt Va Pf- ein. Nach früheren amtlichen Berechnungen 
genügten aber schon 0,66 Pf. zur Deckung der Selbstkosten (vgl. die Post 
vorlage vom 6. Februar 1899, Nr. 116, Reichstagsdrucksachen von 1898/99, 
S. 22). 
2 ) Die ursprüngliche Regierungsvorlage empfahl einen festen Steuer 
stempel von 5, 10, 20 und 40 Pf. für die IV. bis I. Wagenklasse bei allen 
Fahrkarten von mehr als 2 M und schätzte den Ertrag auf 12 bis 
13 Mill. Mark. (Näheres hierüber in No. 359 der Reichtagsdrucksacheu 
der II. Session 1905/6, dem Berichte der. VI. Kommission betreffend Aende- 
rung des Reichsstempelgesetzes, S. 23 und 78.) Die Kommissionsmehrheit 
wollte den Verkehr aber höher besteuern und empfahl einen kilometrischen 
Steuersatz von V 4 , Va und 1 Pf. für die III., II. und I. Klasse bei allen 
Betrügen über 5 Pf. (Bericht S 39ff.), der brutto 56 Mill. Mark und netto 
53 Mill. Mark einbringen sollte. Trotz des Widerspruchs mancher Bundes 
ratsvertreter, besonders Sachsens und Mecklenburgs (Bericht S. 22 f.), aber 
auch Preussens, hielt die Kommission an diesem Kilometerstempel fest. Der 
prenssische Finanzminister schätzte den Ertrag nur auf 38 bis 39 Mill. 
Mark für das Reich, wobei die deutschen Eisenbahnen jedoch einen Ein-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.