Full text : Weltporto-Reform

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herabgesetzt,  zeigten  in  1  l /s  Jahren  eine  Verkehrsabnahme  um
77  Millionen  Stück  oder  30  °/o,  wodurch  zweifellos  der  übrige
Briefpostverkehr  auch  vermindert  wird,  da  diese  Beilagen  durch
Inserate  Angebot  und  Nachfrage  zur  Korrespondenz  anregen  und
dadurch  indirekt  Portoeinnahmen  schaffen,  die-sie  selbst  direkt
in  solchem  Masse  nicht  erzielen  können.
Besonders  verhängsnisvoll  war  die  vom  Reichstag  improvisierte ­
  und  aussergewöhnlich  misslungene  Fahrkartensteuer
(Stempelsteuer)  des  Reiches  auf  die  Personenfahrkarten,  auch  der
Staats-  uud  Reichseisenbahnen,  dem  Wesen  nach  eine  Tariferhöhung ­
  von  buntester  Willkür  in  dem  einen  und  anderen  Falle.
Sie  hat  durch  ihre  verkehrshindernde  Wirkung  und  durch  die
Hinabdrückung  der  Reisenden  in  die  niederen  wohlfeilen  Wagenklassen ­
  der  Staatsbahnen  der  deutschen  Einzelstaaten  Verminderungen ­
  der  zu  erwartenden  Einnahmen  verursacht,  die  vermutlich
etwa  ebenso  gross  oder  bei  Mitwirkung  der  Fahrpreiserhöhungen
wahrscheinlich  noch  viel  grösser  sind,  als  das,  was  das  Reich
erhält,  und  die  anfänglichen  Steuer-Einnahmeschätzungen  sind
auch  nicht  annähernd  erreicht  worden  2 j.

rungs-Selbstkosten  damit  nicht  gedeckt  würden  (die  Herstellung  kostet  etwa
0,3  bis  0,4  Pf.  für  jede  Karte',  kann  man  kaum  allgemein  behaupten,  denn
die  Zeitungen  bringen  unter  dem  letzten  reformierten  Zeitungstarif  nur  etwa
1  l /n  die  Beilagen  jetzt  Va  Pf-  ein.  Nach  früheren  amtlichen  Berechnungen
genügten  aber  schon  0,66  Pf.  zur  Deckung  der  Selbstkosten  (vgl.  die  Postvorlage ­
  vom  6.  Februar  1899,  Nr.  116,  Reichstagsdrucksachen  von  1898/99,
S.  22).
2 )  Die  ursprüngliche  Regierungsvorlage  empfahl  einen  festen  Steuerstempel ­
  von  5,  10,  20  und  40  Pf.  für  die  IV.  bis  I.  Wagenklasse  bei  allen
Fahrkarten  von  mehr  als  2  M  und  schätzte  den  Ertrag  auf  12  bis
13  Mill.  Mark.  (Näheres  hierüber  in  No.  359  der  Reichtagsdrucksacheu
der  II.  Session  1905/6,  dem  Berichte  der.  VI.  Kommission  betreffend  Aenderung
  des  Reichsstempelgesetzes,  S.  23  und  78.)  Die  Kommissionsmehrheit
wollte  den  Verkehr  aber  höher  besteuern  und  empfahl  einen  kilometrischen
Steuersatz  von  V 4 ,  Va  und  1  Pf.  für  die  III.,  II.  und  I.  Klasse  bei  allen
Betrügen  über  5  Pf.  (Bericht  S  39ff.),  der  brutto  56  Mill.  Mark  und  netto
53  Mill.  Mark  einbringen  sollte.  Trotz  des  Widerspruchs  mancher  Bundesratsvertreter, ­
  besonders  Sachsens  und  Mecklenburgs  (Bericht  S.  22  f.),  aber
auch  Preussens,  hielt  die  Kommission  an  diesem  Kilometerstempel  fest.  Der
prenssische  Finanzminister  schätzte  den  Ertrag  nur  auf  38  bis  39  Mill.
Mark  für  das  Reich,  wobei  die  deutschen  Eisenbahnen  jedoch  einen  Ein-
            
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