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Futtermittel.
mit l 1 /^ 1 und x / 2 mm Loclrweite), der Inhalt der einzelnen Siebsätze auf glattem,
farbigem Papier ausgebreitet und mit Lupe und Mikroskop durchmustert. Der erste
Siebsatz enthält alle etwa vorhandenen gröberen Beimengungen, wie Getreidespelzen,
Mutterkorn, ganze und zerschlagene Getreidekörner, Unkrautsamen und Teile
davon, Erdklümpchen, Mäusekot, ferner auch Kleie und Mehlschweißklumpen usw.
Es ist sehr empfehlenswert, hierbei stets dieselbe Menge (25 g) Kleie zu verwenden,
weil auf diese Weise bei Untersuchung einer mit Kornausputz vermischten Kleie
eine bessere Übereinstimmung in der Angabe der vorhandenen, äußerlich unverletzten
Unkrautsamen, deren Menge auf 1 kg umzurechnen ist, erzielt wird. Auch der zweite
Siebsatz enthält häufig noch eine erhebliche Zahl nicht zermahlener kleiner Unkraut
samen, unter anderem Lepidium, Capselia bursa, Aira, Viola, Urtica, Crepis, Ery-
simum, Chenopodium, Papaver, Euphorbia usw. Bei aufmerksamer Durchmusterung
mit der Lupe lassen sich auch gewisse fremde Zusätze, wie namentlich Hirseschalen,
Eeisspelzen, Weizenbärte und dergl., im ersten und zweiten Siebsatz nachweisen.
Der Inhalt des dritten und vierten Siebsatzes ist zunächst mittels einer Lupe
auf etwa vorhandene Milben zu prüfen. Sind solche in größerer Menge in der
Kleie enthalten, so kann man ihre Gegenwart auch ohne Anwendung einer Lupe
feststellen, wenn man den ausgeschütteten Siebinhalt mit einer glatten Tafel, etwa
mittels des Siebbodens oder einer Glasplatte zusammendrückt, so daß der Band des
Haufens eine steil abfallende Fläche bildet. Alsdann werden die durch die Be
wegung der Milben verschobenen Kleieteilchen an der Randfläche abgleiten. Bei
sehr mehlreicher Kleie oder besser noch bei Futtermehlen kann die Oberfläche des
Haufens durch die beschriebene Behandlung so geglättet werden, daß die von
Milben auf der Oberfläche ausgeworfenen Häufchen schon mit bloßem Auge be
obachtet werden können. Die letzten Siebsätzc sind ferner mikroskopisch und zwar
mit und ohne Zusatz von Jodlösung auf fremde Stärkekörnchen, Schimmclpilz-
schläuche, Brand-, Rost- und Schimmelpilzsporen, Milben und Milbeneier, mineralische
Zusätze und auf eine etwaige abnorme Beschaffenheit der Stärkekörnchen zu prüfen.
b. Mikroskopische Untersuchung. Für die mikroskopische Untersuchung
wird die Kleie nach S. 286 bezw. 289 aufgeschlossen.
1. Am häufigsten ist die Frage zu entscheiden, ob Weizen- oder Eoggen-
kleie oder ein Gemisch beider vorliegt. Für die Unterscheidung beider Kleiesorten
dienen auch hier:
«) Die Querzellen (vergl. S. 290, 291 bezw. 293).
ß) Die Haare (vergl. S. 290, 292 bezw. 293). Der Weizenbart enthält etwa
4-mal mehr Haare als die Scheitelzellen des Roggens. Ist eine Eoggenkleie mit
Weizenkleie vermengt, so sind neben den eigentlichen Kleiebestandteilen des
AVeizens auch noch ganze Weizenbärte und einzelne Weizenhaare vorhanden, die schon
bei Betrachtung mit der Lupe durch ihren seidigen Glanz auffallen. Findet man
dagegen an kennzeichnenden Weizenformelementen fast nur Weizenhaare und nur
verhältnismäßig wenige oder kaum Weizenquerzellen, so liegt entweder Weizenspitz
kleie oder ein Gemisch von dieser mit Eoggenkleie vor, wenn auch Roggenquerzellen
und Eoggenhaare vorhanden sind.
y) Die Aleuronzellen. „Da der blaue Farbstoff der Eoggen-Aleuronzellen
selbst in verdünnten Alkalien und Säuren leicht löslich, auch in Wasser nicht un
löslich ist, sich aber in Alkohol, Äther, Chloroform, Glyzerin und Nelkenöl nicht
löst, so verfährt man nach Be necke 1 ) bei der Untersuchung erfahrungsgemäß am
besten folgendermaßen: „Ein Teelöffel voll des zu untersuchenden Futtermittels
*) Vergl. C. Böhmer, Die Kraftfuttermittel, Berlin 1903, S. 158.