Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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An
den  Vorstand  des  Bergbaulichen  Vereins  für  Zwickau
und  Lugau-Oelsnitz
in  Zwickau.
In  einer  am  15.  Juli  für  das  Zwickau-  und  Lugan-Oelsnitzer
  Steinkohlenrevier  stattgefundenen  Konferenz  von  Grubenvertrauensmännern ­
  desVerbandes  der  BergarbeiterDeutschlands
wurde  der  ergebenst  Unterzeichnete  beauftragt,  erneut  an  den
Bergbaulichen  Verein  die  dringende  Bitte  zu  richten,  möglichst
sofort  eine  allgemeine,  ausreichende  Lohnerhöhung  füralle
  Bergarbeiter  unter  und  über  Tage  durchzuführen  und  zur
Erreichung  derselben  nachstehende  Wünsche  zu  berücksichtigen:
t.  eine  Schichtlohnerhöhung  von  50  Pf.  pro  Schicht:
2.  eine  weitere  Teuerungszulage  von  60  Pf.  pro  Schicht;
3-  die  jetzt  gezahlte  Kinderzulage  von  zwei  auf  drei  Mark
pro  Kind  und  Kopf  zu  erhöhen;
I.  pro  Mark  des  Schichtlohnes  nicht  unter  70  Pf.  Gewinn
Ausbeute  zu  gewähren,  und
5.  dafür  zu  sorgen,  daß  auf  denjenigen  Werken,  wo  die
Schichtlohnsätze  niedriger  sind  wie  auf  anderen  Werken,
die  notwendigen  Erhöhungen  der  Schichtlöhne  bei  den
einzelnen  Arbeiherkategorien  vorgenommen  werden.
Die  zwingende  Notwendigkeit  einer  sofortigen  und  ausreichenden ­
  Lohnerhöhung  besonders  zu  begründen,  glaube  ich  verzichten ­
  zu  können,  da  dieselbe  in  letzter  Zeit  auch  von  seiten  der
Herren  Werksbesitzer  anerkannt  worden  ist.  Es  soll  deshalb  nur
kurz  darauf  hingewiesen  werden,  daß  sehr  oft  die  Möglichkeit  besteht, ­
  Lebensmittel  kaufen  zu  können,  die  Bergarbeiter  aber  aus
Mangel  an  Mitteln  dieses  unterlassen  müssen.  Daß  zum  Beispiel
so  wertvolle  Nahrungsmittel  wie  Obst  und  Frischgemüse,  welches
die  Bergarbeiter  zur  Erhaltung  ihrer  Arbeitskraft  recht  notwendig ­
  gebrauchen  könnten,  kann  nur  wenig  gekauft  werden,  weil
die  Preistreiberei  derart  unerhört  ist,  daß  die  Löhne  der  Bergarbeiter ­
  nicht  ausreichen,  um  so  hohe  Preise  zahlen  zu  können.
Eine  fünfköpfige  Faniilie  müßte,  wenn  sie  ein  solches  Mittagsgericht ­
  zubereiten  wollte,  fast  den  gesamten  Lohn  einer  ganzen
Schicht  ihres  Ernährers  opfern.
In  der  Konferenz  wurde  auch  darauf  hingewiesen,  daß  nach
der  letzten  bewilligten  Teuerungszulage,  auf  verschiedenen  Werken ­
  ein  Zurückgehen  der  Gewinne  oder  Ausbeute  festgestellt  werden ­
  konnte.  AIs  Beweis  gestatte  ich  mir  nur  ein  Werk  zu  benennen ­
  was  sehr  leicht  auf  anderen  Gruben  auch  nachgewiesen  werden ­
  kann.  So  wurde  auf  Schacht  1  des  Brückenberg  Steinkoh-
            
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