Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Auf  der  Grube  Am  nassen  Fleck  in  Guben  war  unser
Vertrauensmann  Paul  Kieschke  Weihnachten  1913  gemaßregelt.
K.  ist  ein  Bergmann  mit  20  Jahren  praktischer  Arbeit,  die  er
auf  der  Grube  geleistet  hat.  Er  machte  nur  Gelegenheitsarbeit.
Bei  Ausbruch  des  Krieges  hat  er  mehrmals  um  Arbeit  auf  der
Grube  angefragt,  ist  aber  nicht  eingestellt  worden.  Auch  der
Arbeiterausschuß  ist  wegen  seiner  Einstellung  vorstellig  geworden. ­
  Alles  erfolglos.  K.  mußte  sich  weiter  mit  Gelegenheitsarbeiten ­
  durchhelfen.  Fortmachen  kann  er  nicht,  da  er  ein  Unwesen ­
  in  Guben  besitzt.
Auf  der  Grube  E  l  i  s  a  b  e  t  h  g,l  ü  ck  in  Senfteuberg  ist
während  des  Krieges  am  Bagger  x / 2  Pf.  abgezogen  worden.  Der
Abzug  ist  trotz  unserer  Eingabe  bestehen  geblieben.  Der  Schichtlohn
  auf  dieser  Grube  beträgt  nur  3,20  Mk.  Wer  Schichtlohn
hat,  muß  also  hungern.
Die  Mittagspause  ist  um  eine  halbe_  Stunde  verkürzt
worden,  so  daß  die  Leute  in  der  ganzen  Schicht  bei  Tage  nur
eine  halbe  Stunde  Frühstück  und  eine  halbe  Stunde  Mittag
haben.  Von  12tzs>  Uhr  geht  es  bis  abends  5%  Uhr,  wenn
länger  gemacht  wird,  noch  länger  in  einer  Tour.  Bei  der
Nachtschicht  gibt  es  nur  eine  Pause  von  12  bis  1  Uhr.  Es  hat
hier  also  eine  Arbeitszeitverlängerung  von  mindestens  einer
halben  Stunde  stattgefunden.  Steiger  Gummelt  bietet  den
Leuten  bei  der  geringsten  Gelegenheit  die  Papiere  an.  Auch
werden  Nebenarbeiten  nicht  mehr  bezahlt.  Das  Vorstrecken,
das  früher  sieben  Mann  machten,  müssen  jetzt  sechs  Mann  verrichten. ­

Auf  Henkels  Kohlenwerken  klagen  die  Leute  in
den  letzten  Wochen  über  sehr  schlechten  Verdienst.  Es  gibt  welche,
die  sogar  mit  17  und  18  Mark  nach  Hause  gehen.  Es  wird
ferner  auch  darüber  geklagt,  daß  die  Leute  bei  dem  alten  Gedinge
nichts  mehr  verdienen  können  und  nichts  zugelegt  wird.  Auch
ist  auf  dieser  Grube  die  Ueberarbeit  im  Gange.  In  den  letzten
Tagen  haben  die  Belegschaften  die  Ueberarbeit  verweigert.
Früher  bekam  die  Nachtschicht  das  Geld  immer  am  Freitagabend. ­
  Bei  einem  der  lebten  Lohntage  haben  einige  Leute,  aber
keine  Mitglieder  von  uns,  sondern  Werkslieblinge,  gesoffen  und
sind  nicht  angefahren.  Dafür  bestraft  man  die  ganze  Belegschaft. ­
  Bei  der  letzten  Auszahlung  hat  man  am  Sonnabend
früh  sogar  kurz  vor  Frühstück  noch  Nachtschichter  ausgezahlt.
Auf  der  Grube  Glückauf  in  Lichtenau  sind  am  16.  Febr.
60  kriegsgefangene  Russen  aus  dem  Laubaner  Lager  eingestellt
worden.  Die  Lichtenauer  Gruben  haben  nur  Tiefbau  und  sind
äußerst  gefährlich.  In  den  letzten  zwei  Jahren  vor  dem  Kriege
sind  auf  diesen  Gruben  sieben  Bergarbeiter  bei  Schlammdurch-
            
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