Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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brüchen  getötet  worden.  (Siehe  „Bergarbeiter-Zeitung"  voin
Mai  1914  über  das  Unglück  auf  dem  Bögeschacht  vom  9.  Mai
1914.)  Unsere  Leute  —  die  einheimischen  Bergarbeiter  —  von
dem  Rosenberg-  und  dem  Albertschacht  sind  alle  nach  dem  Bögeschacht ­
  geschickt  worden.  Die  60  Russen  arbeiten  gesondert  auf
dem  Rosenberg-  und  Albertschacht.  Der  Bögeschacht  ist  überfüllt, ­
  die  Förderung  stockt  und  können  unsere  Leute  keine  Wagen
bekommen.  Dadurch  erleiden  sie  Lohneinbutzen,  indem  sie  nichts
verdienen  können.  Dafür  einige  Beispiele:
Der  Arbeiter  Seibt  verdiente  am  15.  Februar  1,80  Mk.,
an,  16.  Febr.  2,80  Mk.  Auf  dem  alten  Schacht  hat  er  6  Mk.
verdient.  —  Der  Arbeiter  H.  verdiente  am  15.  Febr.  1,90  Mk.,
an,  16.  Febr.  2,20  Mk.,  auf  dem  alten  Schacht  hat  er  in  der
letzten  Zeit  6,25  Mark  verdient.  —  Der  Arbeiter  V.  hat  am
16.  Febr.  3,60  Mk.  verdient,  ist  am  16.  Februar  wegen  eines
Streites  mit  dem  Steiger  Hermsdorf  nicht  angefahren.  V.  hat
auf  der  alten  Stelle  6  Mark  verdient.  Die  Verlegung  ist  den
Leuten  erst  wenige  Tage  vorher  mitgeteilt  worden.  Sie  wollten
versuchen,  zu  verhandeln,  und  wenn  das  nicht  helfen  sollte,  den
Bergrat  anrufen.  Am  Sonnabend  ist  die  ganze  Belegschaft,
nachdem  sie  früh  nach  dem  Direktor  gefragt  hat,  am  Abend
nach  dem  Albertschacht  bestellt  worden.  Der  Direktor  Schatz
kam  puterrot  vor  Zorn  an  und  frug:  „Wer  will  das  Wort?
Doch  wieder  M.  und  L.!"  (Ersterer  unser  Kassierer  und  letzterer
unser  Vertrauensmann.)  Er  ließ  aber  keinen  zu  Wort  kommen,
sondern  begann  Kriegsartikel  vorzulesen:  Wer  Montag  nicht
anfahre,  werde  Soldat  und  müsse  für  63  Pf.  pro  Tag  arbeiten
und  bekäme  eine  bestimmte  Anzahl  Wagen  zu  leisten  von  der
Militärbehörde  vorgeschrieben.  Sie  sollten  nicht  denken,  datz  sie
für  63  Pf.  nichts  zu  leisten  brauchten.  Unsere  Funktionäre
nannte  er  Aufwiegler  und  ob  sie  nicht  wüßten,  datz  derjenige,
der  Leute  aufwiegele,  mit  mindestens  zwei  Jahren  Znchthaus
bestraft  würde.  Euch  beiden  werde  ich  etwas  „Extras"  besorgen,
Ihr  seid  die  Aufwiegler.  In  einer  solchen  schweren  Zeit  wollt
Ihr  euch  unterstehen,  so  etwas  zu  machen?  Pfui,  pfui,  pfui!
und  er  spuckte  vor  der  ganzen  Belegschaft  aus.—Der  Vertrauensman
  L.  frug  ihn:  „Was  denken  Sie  denn  eigentlich,  warum
wir  mit  Ihnen  verhandeln  wollen?  Wir  wollen  doch  nur  verhandeln, ­
  ob  wir  nicht  an  unseren  Arbeitsplätzen  bleiben  können."
Hierauf  antwortete  Schatz:  „Wir  sind  Herr  im  Hause;  das
machen  wir,  wie  wir  wollen,  wie  es  uns  paßt,  und  lassen  uns
jetzt  in  der  ernsten  Zeit  keine  Vorschriften  machen.  Damit  legen
Sie  Ihrem  Verband  keine  Ehre  ein."  L.  erwiderte:  „Wir
haben  ja  nicht  gesagt,  daß  wir  streiken  wollen,  wir  wollen  doch
nur  verhandeln."  Schah:  „Den  Verstand  habt  Ihr  nicht,  sonst
            
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