Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

XVII.  Die  Manchester-Schule  und  die  Gegenwart.  201

reich  und  die  Schweiz  haben  die  Seidenindustrie  in  Europa  beinahe
monopolisiert;  Rußland  schickt  sich  an,  Stahl  und  Ingenieurwerke
unter  der  Aufsicht  der  allergeschicktesten  Konstrukteure  zu  erbauen. ­
  Zwei  von  diesen  Werken  sind  jetzt  so  weit  vorgeschritten,
daß  sie  Nebenbuhler  ihrer  Urbilder,  der  größten  Werke  Amerikas,
geworden.  Japan  und  China  bauen  Fabriken  ganz  nach  neuestem
vorzüglichstem  Muster  immer  mit  britischen  Maschinen  und  gewöhnlich ­
  unter  der  Leitung  von  Engländern;  Mexiko  webt  Baumwollstoffe, ­
  erzeugt  Papier,  und  zwei  Fahrradfabriken  sind  dort
im  Bau  begriffen.  Die  Jute-  und  Baumwollfabriken  Indiens  sind
schon  jetzt  zahlreich  und  werden  noch  jeden  Tag  zahlreicher.
In  Bombay  führt  man  augenblicklich  große  Maschinenwerke  auf.
Es  ist  festgestellt  worden,  daß  ein  großes  britisches  Werk  jede
Woche  den  vollen  Maschinenbedarf  für  eine  neue  Fabrik  versendet.
Noch  besonders  hier  von  Amerika  zu  sprechen,  erscheint  ganz
unnötig.  So  hat  jede  einzelne  Nation  ersten  Ranges  oder  wenigstens ­
  jede,  die  die  Elemente  zukünftiger  Bedeutung  in  sich  trägt,
die  Rolle,  welche  die  Manchesterschule  ihr  zuschrieb,  abgelehnt
mit  dem  Ehrgeiz,  für  sich  selbst  zu  fabrizieren.  Die  Nationalökonomie ­
  beweist  jetzt,  daß  es  der  Menschheit  zum  Wohl  gereicht, ­
  wenn  die  Transportkosten  zwischen  Stofferzeuger  und  Fabrikanten, ­
  wie  sie  durch  die  weite  Entfernung  der  beiden  voneinander
bis  dahin  zu  leisten  waren,  beseitigt  werden  können.  Zweifellos ­
  werden  Fabrikationsversuche  von  kleinen  Gemeinwesen  unternommen, ­
  fehlschlagen  und  wieder  aufgegeben  werden,  im  großen
und  ganzen  jedoch  erscheint  der  Erfolg  sicher.
Einzelne  Länder,  besonders  Deutschland  und  Amerika,  geben
sich  nicht  damit  zufrieden,  ihre  eigenen  Bedürfnisse  zu  decken,
sondern  treten  jetzt  sogar  als  Ausfuhrländer  vieler  Artikel  im
Wettbewerb  zu  anderen  Ländern  auf.  Verschiedene  solcher  Artikel
kommen  auch  nach  den  Vereinigten  Königreichen,  und  wenn  früher
andere  Völker  die  Erfahrung  machten,  daß  unzählige  ihrer  Gebrauchsartikel ­
  in  Großbritannien  fabriziert  wurden,  so  kommt  jetzt
ein  ähnliches  den  Briten  zum  Bewußtsein.  Sie  müssen  sich  selbst
eingestehen,  daß  sie  ein  gut  Teil  menschlicher  Schwäche  in  sich
tragen,  nicht  gar  sehr  verschieden  von  der  Schwäche  anderer
Völker.  Ganze  Massen  von  Artikeln,  fabriziert  in  Deutschland

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