Full text : Zur Geschichte und Theorie des Bergregals und der Bergbaufreiheit

beim  Silberbrechen  auch  die  Bergbaufreiheit  gekannt  hat,  stimmt  überein ­
  mit  der  Kulmischen  Handveste  vom  Jahre  1232,  wonach  ein  besonderes ­
  Freiberger,  also  sächsisches  Recht  des  Findens  von  Silber  auf
fremdem  Grund  und  Boden  und  umgekehrt  ein  besonderes  Recht  des
Eigentümers  jenes  Grund  und  Bodens  beim  Silberbrechen  bestanden
haben 1  und  wonach  diese  besonderen  Rechte  mit  dem  Bergregale  vereinbar ­
  gewesen  sind*.
Auch  die  anscheinenden  Abweichungen  des  Sachsenspiegels  vom
Freiberger  Bergrechte  dürften  sich  erklären  lassen.  Ersterer  spricht  die
Bergwerksschätze  dem  Reiche,  letzteres  dem  Landesherrn  zu.  Ersterer
gibt  das  allgemeine,  letzteres  das  Partikularrecht.  Der  Sachsen-  und
der  Schwabenspiegel  sprechen  auch  die  übrigen  Regalien  dem  Reiche,
beziehungsweise  dem  Kaiser  zu,  obwohl  diese  tatsächlich  zur  Zeit  ihrer
Abfassung  schon  in  den  meisten  Territorien  und  auch  in  Meißen  auf
den  Landesherrn  übergegangen  waren 1  *  3 .
Der  Sachsenspiegel  macht  das  Silberbrechen  auf  fremdem  Acker
abhängig  auch  vom  Willen  des  Grundeigentümers,  das  Freiberger  Bergrecht ­
  gibt  dagegen  dem  Grundeigentümer  nirgends  ein  Widerspruchsrecht ­
  gegen  den  Bergbau  und  gewährt  ihm  nur  ein  Zweiunddreißigstel
als  Ackerteil.  Es  fragt  sich  indeß,  ob  der  Sachsenspiegel  diese  Erlaubnis ­
  für  den  Silberbergbau  oder  nur  für  das  Silberbrechen  oder
Silbergraben  fordert.  Nicht  jede  Gewinnung  von  Erzen  ist  nach  älterer
deutscher  Auffassung  als  Bergbau  angesehen  worden.  „Was  ist  Bergwerk“ ­
  —  heißt  es  bald  zu  Anfang  in  den  Institutiones  metallicae  von
Kirchmaier  aus  dem  Jahre  1687  —  „Es  sind  die  Werk  damit  in  und
auff  der  Erden  erfahren,  geschickte  verständige  und  bescheidentliche
1  „Inventor  ....  argenti,  sive  is  in  cujus  agris  inventum  fuerit  jus  fribergense
  in  ejus  modi  inventione  habeat  in  perpetuum.“
3  „Retinemus  enim  domui  nostrae  in  bonus  eorum  venas  salis,  auri

argenti  ita  tarnen  ut  inventor  argenti  sive  is  in  cujus  agris  inventum ­
  fuerit  .....  jus  fribergense  habeat  in  perpetuum.“

3  Sachsenspiegel  Buch  II  Art.  26  §  4:  „niemanne  mut  market  noch  monte
erhebben  ane  des  richteres  willen  bynnen  der  gerichte  it  leget.  Ok  sal  di  koning
durch  recht  sinen  handscho  dar  to  senden  to  bewisene  dat  it  sin  wille  si.“  S.  auch
daselbst  Buch  III  Art.  60  §  2.
Schwabenspiegel  Cap.  304  §§  1  und  2,  Ausgabe  von  Gengier  S.  191:  „Es
spricht  der  keiser  Karel:  es  sol  nieman  deheinen  zol  nemen  wan  der  von
alter  her  is  körnen  mit  rechte,  und  den  min  ane  und  min  vater  kunic  Pippin  gesetzet
  hant  Wir  sprechen,  daz  alle  zolle  und  alle  münzen,  die  in  dem
römischen  riche  sint,  die  sint  eines  römischen  kunigs;  und  swer  si  wil  haben,  der
si  pfaffenfürste  oder  leienfürste,  der  muz  si  haben  von  dem  römischen  kunige.
Und  wer  daz  nicht  tut,  der  frevelt  an  dem  riche.“
Arndt,  Bergregal.

8
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.