ausnahmweisse beansprucht, und ich verlasse mein Kon-
tor abends gewöhnlich mit dem Bewußtsein, niemandem
Geld schuldig zu sein. Meinem Unternehmen sind da-
durch von jeher ziemlich enge Schranken gezogen worden.
Ich sehe aber in der Beschränkung, die ich mir auferlegt
habe, den besten Schutz gegen die von Flürscheim geschil-
derten Gefahren und ich glaube, daß sowohl dem Staate
wie den Arbeitern und der Beamtenschaft mehr mit zehn
Betrieben von mäßigem Umfang als mit einem von
zehnfachem Umfang gedient ist.
Was Flürscheim in seinem Buch sonst noch geschrie-
ben hat, über Freihandel und Schutzzoll, Genossenschaft-
wesen und Sozialismus ist sehr lesenswert. Es ist nicht
nötig, ihm in allem beizupflichten. An den Segen der
von ihm gepriesenen Demokratie glaube ich nicht im min-
desten. Man wird aber in seinem Buch manches finden,
was zum nachdenken veranlaßt.
n ! Flürscheim ist ein Fahr vor seinem Tode
krank nach Berlin zurückgekehrt und ist dort am
24. April 1912 im Alter von 68 Jahren gestorben. Jn
einer kleinen Schrift, die seinem Andenken gewidmet ist,
haben seine Freunde und Gesinnunggenossen ihre Er-
innerungen an ihn niedergelegt. Es ist darin auch ein
Beitrag aufgenommen worden, den ich geliefert habe.
Trotz einiger Fehler ist er ein bedeutender Mann ge-
wesen, der sich von persönlicher Eitelkeit frei gehalten hat
und immer nur der Sache dienen wollte, die ihm am
Herzen lag.
In einem Briefe, den eine alte Freundin unserer Be-
wegung, die Gräfin Victorine von Butler-Haimhausen
in München, anfangs 1897 an Flürscheim gerichtet hat, ist
diese Wertschätzung in einer beide Teile ehrenden Weise
zum Ausdruck gekommen. Die 86 jährige gütige Frau
hat ihm damals geschrieben: „Wenn irgend ein Hoffnung-
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