L. Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung. ; 733
Häuser zu bauen war verboten; einige wurden niedergerissen, wenn
sie leer waren und andere verfielen, weil man sie nicht ausbesserte; arme
Leute waren so viel als möglich von den Ackerbaudistricten verbannt, da-
mit sie dem Kirchspiel nicht zur Last fallen könnten. Unter solchen Um-
ständen ist es nicht zu verwundern, dass wir häufig Familien in unser Ge-
schäft aufnahmen, welche :es nicht verstanden, einem anständigen Hause
zo vorzustehen, dass dadurch die Gesundheit und Wohnlichkeit der In-
zassen gefördert worden wäre.
Vor ungefähr zwölf Jahren hatten wir Gelegenheit, eine beträchtliche
Anzahl von Familien in einige neue Häuser einzuführen, Im Laufe von
einigen Monaten brach ein höchst bösartiges Fieber unter ihnen aus; es
schritt von Haus zu Haus, bis die Sicherheit des ganzen Etablissement
arnstlich in Gefahr stand. Wir veranlassten eine Untersuchung der Häu-
ser, worin das Fieber zuerst aufgetreten war. Es wurde constatirt, dass
die niedrige Lebensweise der Bewohner, die vollkommene Unkenntniss
von Lebensanstand die Häuser in einen solch kothigen Zustand versetz-
jen, dass augenscheinlich eine Wiederholung desselben Uebels bevorstand,
wenn wir nicht mit allen Mitteln eine Aenderung in den Gewohnheiten
lieser Leute bewirkten.
Obgleich wir eine Einmischung in die häuslichen Angelegenheiten
unserer Arbeiter zu unterlassen suchten, so geboten doch die Umstände,
liesen Schritt zu thun. Wir ordneten deshalb eine Inspicirung eines jeden
zu unserem Etablissement gehörenden Hauses an, sowohl in Bezug auf
Reinlichkeit und Ventilation als auch auf die Betten und Möbel. Der
Unterschied, den diese Häuser darboten, war auffallend. Die Nettheit und
Reinlichkeit der einen, die vollkommene Vernachlässigung der anderen,
zugenscheinlich unabhängig von der Höhe des Einkommens, überzeugten
uns, dass eine Wiederholung dieser Besuche nothwendig sei, um eine dau-
arnde Verbesserung zu bewirken.
Diese periodischen Besuche sind nun durch eine Reihe von Jahren
fortgesetzt worden; und da keine gehässige Auszeichnung oder Bevor-
zugung gemacht wurde, so wurden sie nicht im Lichte eines unberufenen
Eindringens angesehen. Acht bis vierzehn Tagn wurden die Besuche vor-
her angekündigt: ein lobenswerther Wetteifer entstand, welches Haus die
Betten und die Möbel in der besten Ordnung hätte. ‚Auf diese Weise
wurden wir mit den Mängeln und den Bedürfnissen der verschiedenen bei
uns beschäftigten Familien bekannt. Da wir so reichlich Gelegenheit
hatten, die schlimmen Folgen kleiner Wohnungen für grosse Familien
kennen zu lernen, zu sehen, dass nur wenige Häuser mehr als zwei Schlaf-
zimmer hatten, in denen Kinder und schon Erwachsene beiderlei Geschlechts
zusammenschliefen, so beschlossen wir, grössere Arbeiterwohnungen zu
bauen mit. wenigstens drei Schlafzimmern für jede. Nach diesen. Häusern
strebte man jetzt mit wahrer Gier, Die Erhöhung des Miethgeldes von
fünf Schilling auf fünf Schilling sechs pence die Woche war unbedeutend