Kapitel II. Adam Smith.
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in eine Richtung hineinleiten, die er sonst nicht genommen haben
würde.“ Aber ist die Richtung, die die Privatpersonen von selbst
ihren Kapitalien geben, nicht auch die, die für den Gewerbfleiß eines
Landes am vorteilhaftesten ist ? Hat Smith das nicht schon bewiesen ?
Das Schutzzollsystem ist daher nutzlos und sogar schädlich 1 ).
Die Beweisführung erscheint nicht durchschlagend, wenn man
sich die oben ausgeführte Kritik des Optimismus Smiths vor Äugen
hält. Um den Ausdruck Paeeto’s auzuwenden, ist es das Maximum
an Ophelimität, nicht das Maximum an Nützlichkeit (utilite),
das die Kapitalisten unter dem Einfluß des Selbstinteresses ver
wirklichen.
Der Widersinn, daß ein Land mit großen Kosten die Gegen
stände bei sich fabriziert, die das Ausland ihm billiger liefern kann,
dient Smith zu einem weiteren, noch stärkeren Beweise. „Bei jedem
klugen Hausvater ist es eine Regel, niemals etwas im Hause machen
zu lassen, was ihm weniger kosten würde, wenn er es kaufte . . .
Was aber in der Plandlungsweise einer Familie Klugheit ist, das
kann in der eines großen Reiches wohl schwerlich Torheit sein 2 ).“
Welcher Wahnsinn ist es, in Schottland mit großem Aufwande an
Treibhäusern Wein fabrizieren zu wollen, den man billiger aus
Frankreich oder Portugal kommen lassen kann! Das wird jeder zu
geben. Und doch besteht dieser Unsinn überall dort, wo man uns
durch Zolltarife daran hindert, an den natürlichen Vorzügen, die
fremde Nationen vor uns voraus haben, teilzunehmen. Die ganze
„niedrige Habsucht und der Monopolgeist der Kaufleute und
Gewerbetreibenden“ 3 ) ist dazu nötig gewesen, um die Nation
über ihre wirklichen Interessen so sehr zu täuschen. Nach Smith
besteht daher eine natürliche Verteilung der Produktion zwischen
den verschiedenen Ländern, die mit dem Vorteile jedes Landes überein
stimmt. Das Schutzzollsystem hindert uns, daran Teil zu haben;
ihm steht die Anwendung des Prinzips der Arbeitsteilung auf die
internationale Interessengemeinschaft gegenüber.
Immerhin ist dieser Beweis nicht schlüssig, denn das Kapital
und die Arbeit zirkulieren nicht zwischen Volk und Volk wie im
Innern desselben Landes. Die Verteilung der Industrie auf die ver
schiedenen Völker regelt sich nicht auf Grund der absoluten Pro
duktionskosten, sondern auf Grund der relativen Produktionskosten.
Das Verdienst, dies nachgewiesen zu haben, gebührt Ricaedo.
Smith ist daher in seinem Nachweis der Nachteile des Schutz
zollsystems unvollständig, und dies tritt vielleicht noch mehr in
') Völkerreichtum II, S. 15, B. IV, Kap. II.
2 ) Volke i;r eicht um II, S. 17, B. IV, Kap. II.
3 ) Völkerreiehtum II, S. 40, B. IV, Kap. III, Teil 2.