Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

l )  Tratte,  6.  Ausg.,  S.  403.

Kapitel  II.  Adam  Smith.

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ternheit,  die  bei  seinen  weniger  hochstehenden  Nachfolgern  der
Langenweile  oder  der  Banalität  zum  verwechseln  ähnlich  sieht.
Mit  Recht  oder  Unrecht  hat  man  die  Verantwortung  hierfür  Say
zugeschoben.
3.  Wir  haben  den  Einfluß  des  Fortschrittes  der  physikalischen
Wissenschaften  auf  die  Auffassung,  die  Say  sich  von  der  Wissenschaft ­
  der / Volkswirtschaft  machte,  gesehen.  Der  '  wirtschaftliche
Fortschritt  ist  von  nicht  geringerem  Einfluß  auf  den  französischen
Nationalökonomen  gewesen.  ‘Zwischen  die  Jahre  1776,  in  dem  der
Völkerreichtum  erschien,  und  1803,  in  dem  der  Traite  erscheint, ­
  fällt  die  industrielle  Umwälzung.  Für  die  Geschichte  der
Ideen  ist  sie  ein  Ereignis  von  großer  Bedeutung/
Als  Say,  kurz  vor  1789,  England  besuchte,  fand  er  dort  die
Herrschaft  der  Maschine  in  vollem  Aufschwung.  Zu  dieser  Zeit
war  die  große  Industrie  Frankreichs  noch  in  ihren  ersten  Anfängen.
Unter  dem  Kaiserreiche  entwickelte  sie  sich  schnell,  und  seit  1815
wurde  ihre  Ausdehnung  ungeheuer.  Chaptal  zählt  in  seinem  Werk:
„De  l’industrie  franpaise“  im  Jahre  1819;  220  Spinnereien  mit  922200
Spindeln,  die  über  13  Mül.  kg  Rohbaumwolle  verarbeiteten.  Dies  ist
nur  der  fünfte  Teil  der  englischen  Produktion,  —  aber  20  Jahre
später  hatte  sich  die  Textilindustrie  vervierfacht.  Die  anderen
Industrien  folgten  im  gleichen  Geschwindschritt.  Jeder  fühlte,  daß
da  die  Zukunft  liege,  eine  unbestimmte  Zukunft,  anscheinend  voller
Reichtum,  xkrbeit  und  Wohlstand.  Die  neue  Generation  war  davon
wie  berauscht;  dieser  industrielle  Rausch  fand  seinen  blendendsten
Ausdruck  in  der  Lehre  St.  Simon’s.
Auch  Say  hat  sich  ihm  nicht  entziehen  können.  Während  Smith’s
Hauptsorge  noch  der  Landwirtschaft  gilt,  drängt  bei  Say  die  Industrie
darauf  hin,  die  erste  Rolle  zu  spielen.  Von  da  an  beherrschen,  während
langer  Jahre,  industrielle  Probleme  die  Nationalökonomie.  Die  ersten
offiziellen  Vorlesungen  über  Nationalökonomie,  die  Say  selbst  am
„Conservatoire  des  Arts  et  Metiers“  hält,  nennen  sich  Vorlesungen
über  industrielle  Ökonomie.
Auf  der  Stufenleiter  der  für  das  Volk  nützlichen  Beschäftigungen
hatte  Smith  die  Landwirtschaft  an  die  erste  Stelle  gesetzt.  Say  behält ­
  diese  Ordnung  bei,  aber  er  stellt  auf  die  gleiche  Stufe  mit  der
Landwirtschaft  „die  Kapitalien,  die  aufgewendet  werden,  um  die
produktiven  Kräfte  der  Natur  zu  verwerten.  .  .  .  Eine  wohldurchdachte ­
  Maschine  erzeugt  mehr  als  die  Zinsen  dessen,  was  sie  gekostet ­
  hat,  oder  auch,  sie  läßt  die  Gesamtheit  an  der  Verbilligung,  die
die  Maschinenarbeit  ermöglicht,  teilnehmen“  J )-  Diese  Stelle  findet
            
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