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Erstes Buch. Die Begründer.
Kapitel III.
Die Pessimisten.
Mit den Nationalökonomen, die im vorliegenden Kapitel zur Be
sprechung kommen, tritt eine neue Richtung auf. Bisher konnten
wir nur bewundern, wie die soeben aufgedeckte Ordnung der Tat
sachen alles auf das Wohl des Individuums und der Völker bezog.
Jetzt aber erscheinen Lehren, die, wie eine Wolke vor dem strahlen
den Morgenrot der jungen Wissenschaft, einen tiefen Schatten werfen,
einen Schatten, der stetig wuchs und der ihr zum Schluß jenes unheil
volle Aussehen einer „scientia sinistra“ gab, einer „dismal Science“,
wie Caelyle später sagte.
Aus diesem Grunde nennen wir sie Pessimisten, ohne mit diesem
Beiwort einen Tadel ausdrücken zu wollen, da wir im Gegenteil zu
zeigen versuchen werden, daß ihre Theorien der Wahrheit näher
kommen, als die der Optimisten, von denen wir weiterhin sprechen
werden: — Pessimisten, weil sie uns zahllose Gründe aufdecken, um
nicht mehr an die Übereinstimmung der individuellen Interessen mit
denen der Allgemeinheit zu glauben, trotzdem sie selbst, genau wie
ihre Vorgänger, fortfahren, das Vorhandensein dieser Übereinstimmung
zu behaupten; — Pessimisten, weil sie uns überall verwirrende Gegen
sätze zwischen den Grundbesitzern und den Kapitalisten, zwischen
den Kapitalisten und den Arbeitern zeigen; —Pessimisten, weil sie
unter den Gesetzen der Natur, und sogar der Vorsehung, die die
Ordnung auf Grund der einzigen Bedingung verwirklichen sollten,
daß die Menschen sie verstehen und ihnen gehorchen lernen, andere
zu entdecken wähnen, die, wie das'Gesetz der Bodenrente, einer
kleinen Zahl müßiger Grundeigentümer ein Einkommen sichern, das im
direkten Verhältnis zu der Not der Bevölkerung wächst; oder wde das
"Gesetz des sinkendenBodener träges, nachdem der Erzeugung
der unentbehrlichen Lebensmittel verhängnisvolle Grenzen gezogen sind,
Grenzen, deren Druck sich schon jetzt sehr fühlbar macht, und die den
Menschen keine andere Aussicht lassen, um ihr Los zu verbessern, als
freiwillig ihre Anzahl zu beschränken; oder endlich'Gesetze wie das
des konstant sinkenden Profites, das den Fleiß des Menschen
früher oder später im Sumpf des „stationären Zustandes“ endigen
lassen muß.
Pessimisten auch deshalb, weil sie nicht an die Möglichkeit
glaubten, den Lauf dieser unabänderlichen Gesetze wandeln zu können,
denen nach ihrer Ansicht gesetzgeberische Reformen ebenso wie die
organisierte Betätigung eines zielbewußten Willens ohnmächtig gegen