Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer

aber  sagen,  ob  dieser  Zustand  von  Dauer  sein  wird?  Wenn  der  unvermeidliche ­
  Tag  kommen  wird,  an  dem  die  neuen  Länder  so  weit
bevölkert  sein  werden,  daß  sie  das  jetzt  ausgeführte  Getreide  im
Lande  behalten  und  selbst  verzehren  müssen,  wer  kann  da  sagen,
ob  die  in  England  und  den  anderen  europäischen  Ländern  einen
Augenblick  —  einige  Jahrhunderte  hindurch  —  stationäre  oder  sogar
weichende  Bodenrente  ihren  Aufstieg  nicht  von  neuem  aufnehmen

weicnt
v«*  wird?

Allerdings  kann  man  in  gewissem  Maße  auch  bei  fehlender  Einfuhr ­
  fremder  Erzeugnisse  auf  den  Fortschritt  der  landwirtschaftlichen
Wissenschaft  rechnen.  Wir  haben  gesehen,  daß  Ricaedo  diese  Hilfsmöglichkeiten ­
  des  menschlichen  Fleißes  durchaus  zugibt.  Weiter
unten  werden  wir  sehen,  daß  andere  Nationalökonomen,  Gäbet  und
ein  Schüler  Bastiat’s,  Fönten  ay,  der  Theorie  Rioaedo’s  die  gerade
entgegengesetzte  These  gegenüberstellten,  nämlich  daß  die  menschliche ­
  Industrie  in  der  Nutzbarmachung  der  Naturkräfte  stets  bei  den
schwächsten  anfing,  —  weil  die  schwächsten  am  leichtesten  zu
bändigen  sind,  und  weil  der  Mensch  selbst  am  Anfang  ein  schwaches
Wesen  war  —,  um  nach  und  nach  sich  zur  Beherrschung  der
mächtigsten,  aber  auch  widerspenstigsten  Kräfte  aufzuschwingen;
daß  der  Boden  keine  Ausnahme  von  diesem  Gesetze  mache,  und  daß
daher  die  Landwirtschaft  nicht  immer  weniger,  sondern  im  Gegenteil
immer  mehr  hervorbringe.
Diese  These  jedoch,  die  dem  Gesetz  vom  sinkenden  Bodenertrag ­
  schroff  widerspricht,  beruht  auf  einer  recht  diskutierbaren
Analogie.  Wenn  es  sich  um  die  Zukunft  der  Industrie  handelt,
kann  man  verstehen,  daß  bisher  nur  wenig  benutzte  oder  sogar  unbekannte ­
  Energiequellen,  vielleicht  sogar  die  chemischen  oder  intradaß

  infolge  der  Meliorationsausgaben  im  Laufe  des  19.  J  ahrhunderts  ein  starker  Abstrich ­
  zu  machen  ist.  Kobebt  Thomson  schätzt  ihn  auf  15  sh.  5  pence,  was  nur
4  sh.  7  pence  reine  Bodenrente  übrig  lassen  würde.  Allerdings  war  auch  der  Gesamtbetrag ­
  von  11  sh.  am  Anfang  des  Jahrhunderts  nicht  reine  Bodenrente,  jedoch
waren  die  für  aufgewendetes  Kapital  zu  machenden  Abzüge  damals  bedeutend  geringer ­
  (siehe  das  „Journal  of  the  Eoyal  Statistical  Society“,  Dezember  1907).
Daher  kann  man  zusammenfassend  sagen,  daß  in  England  (und  sogar  in  Frankreich ­
  und  in  anderen  Ländern,  trotz  des  Schutzzolles)  der  Boden  als  Einkommensquelle ­
  und  als  Wert  während  des  letzten  Vierteljahrhunderts  fast  all  das,  was  er
seit  der  Zeit  Eicahdo’s  gewonnen  hatte,  wieder  verloren  hat.  Genügt  aber  dieser
Eückgang  zur  Keohtfertigung  der  Behauptung,  die  Foville  in  dem  oben  erwähnten
Aufsatz  aufstellt,  daß  das,  was  man  hochtrabend  das  Gesetz  Eicakdo’s  genannt  habe,
eine  glatte  Lüge  sei?  Wir  glauben  das  keinesfalls.  Die  Tatsachen  haben  es  75  Jahre
hindurch  bestätigt  und  ihm  25  Jahre  hindurch  widersprochen;  das  ist  alles.  Die,
die  heute  voraussehen,  daß  die  Bodenrente  auch  weiter  sinken  werde,  können  leicht
in  die  Lage  kommen,  sich  selbst  als  „falsche  Propheten“  bezeichnet  zu  sehen.
            
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