Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

•  Das  ist  das  Lohngesetz,  das  zu  einem  Axiom  erhoben  werden
sollte,  ein  Axiom,  das  es  ermöglichte,  allen  Vorschlägen  für  eine
Besserung  der  Lage  der  Arbeiterklasse  die  folgende  Behauptung  entgegenzustellen, ­
  die  man  allen  sozialistischen  Systemen  oder  sozialen
Reformgesetzen  entgegenhielt:  „Der  Arbeiter  hat  nur  ein  Mittel,
seine  Lage  zu  verbessern,  und  das  ist,  wenig  Kinder  zu  haben;  sein
Schicksal  liegt  daher  in  seinen  Händen 1 ).“  Späterhin  bemächtigte
sich  der  Sozialismus  mit  Lassalle  dieses  Gesetzes,  um  es  gegen  die
wirtschaftliche  Ordnung  zu  kehren,  und  versicherte,  daß  es  keineswegs ­
  in  der  Natur,  sondern  nur  in  der  kapitalistischen  Weltordnung
begründet  sei,  und  gerade  das  spreche  ihr  das  Todesurteil.
•  Bemerkenswert  ist,  daß  in  der  Theorie  Eicaedo’s  zwischen  dem
Großgrundbesitzer  und  dem  Lohnempfänger  kein  bestimmter  Antagonismus ­
  besteht.  Dem  Lohnempfänger  kann  es  gleichgültig  sein,  ob
die  Bodenrente  steigt  oder  fällt,  denn  sein  Geldlohn  steigt  und  fällt
im  gleichen  Verhältnis,  und  sein  Reallohn  bleibt  derselbe.  Umgekehrt
ist  es  dem  Grundbesitzer  gleichgültig,  ob  der  Lohn  steigt  oder  fällt.
Er  erhält  weder  mehr  noch  weniger.  Seine  Rente  wird  von  derjenigen ­
  Arbeitsmenge  bestimmt,  die  auf  dem  schlechtesten  Boden  nötig
ist,  aber  diese  Arbeitsmenge  hat  mit  dem  Lohn  nichts  zu  tun.  Beide
sind  heterogene  Größen,  Größen  verschiedener  Ordnung 2 ).''
•  Zwischen  Lohnempfänger  und  Kapitalist  jedoch  erhebt  sich  der
Kampf.  Sobald  der  Getreidewert  durch  die  Produktionskosten  auf
dem  ungünstigsten  Boden  bestimmt  ist,  reißt  der  Grundbesitzer  alles
1)  „Jeder  Vorschlag,  der  nicht  auf  eine  Verminderung  der  Zahl  der  Arbeiter  hinausläuft,
  ist  nutzlos,  um  keinen  schärferen  Ausdruck  zu  gebrauchen.  Jede  gesetzliche
Einmischung  ist  verderblich.“  Diese  Worte  Placb’s,  der  1822  ein  Buch  über  die
Bevölkerung  verfallt  hat,  werden  von  Ghaham  Wallach  (Life  of  Francis  Place)
zitiert.
2 )  Es  ist  das  eine  grundlegende  Unterscheidung  in  der  Lehre  Ejcahdo’s,  auf
deren  Bedeutung  er  öfters  hinweist.  Die  größere  oder  geringere  Arbeitsmenge,  die
auf  die  Getreideproduktion  verwendet  wird,  steht  in  keinem  notwendigen  Zusammenhang ­
  mit  dem  Lohn  des  Arbeiters.  Das  eine  ist  eine  Produktionsfrage,  das  andere
eine  Verteilungsfrage.  Das  eine  ist  das  Hindernis,  das  andere  die  Belohnung.
Jedoch,  kann  man  einwenden,  bestimmt  in  der  Theorie  Eicahdo’s  nicht  die  Arbeitsmenge ­
  den  Wert  des  Produktes,  und  wird  nicht  dieser  Wert  später  zwischen  dem
Kapitalisten  und  dem  Arbeiter  geteilt?  Je  größer  die  Arbeitsmenge  ist,  um  so
größer  wird  doch  dann  auch  der  Anteil  des  Arbeiters  sein?  —  Für  die  Arbeit
trifft  das  zu,  aber  nicht  für  den  Arbeitenden,  denn  man  darf  nicht  vergessen,
•  daß,  wenn  das  Getreide  von  10  auf  20  steigt,  das  gerade  daher  kommt,  weil  auf
den  geringsten  Feldern  die  doppelte  Anzahl  Arbeiter  zur  Erzeugung  der  gleichen
Menge  Getreide  nötig  ist.  Es  würde  übrigens  recht  eigentümlich  sein,  wenn  der
Arbeiter  um  so  mehr  erhielte,  je  undankbarer  die  Arbeit  ist!  Alles,  was  man  hoffen
darf,  ist,  daß  der  Lohn  genügend  steigen  wird,  um  dem  Arbeiter  zu  gestatten,  unter
den  neuen  Bedingungen  zu  leben,  d.  h.  dieselbe  Menge  Brot  zu  essen,  trotzdem  der
Preis  des  Getreides  gestiegen  ist.
            
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