Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

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Eicaedo  ist  so  stark  von  der  Überlegenheit  des  Papiergeldes
überzeugt,  daß  er  nicht  wünscht,  die  Bank  möge  die  Barzahlungen
wieder  anfnehxnen,  denn  dann  würde  das  Publikum  ohne  Zweifel
Rückzahlung  seiner  Noten  verlangen:  „so  daß  man,  um  einer  grundlosen ­
  Laune  entgegenzukommen,  ein  billiges  Hilfsmittel  gegen  ein
sehr  teueres  eintauschen  würde“  (S.  585).
Wenn  die  Banknoten  aber  nicht  in  gemünztem  Gelde  rückzahlbar
sind,  wie  soll  dann  der  Wert  der  Banknote  garantiert,  ihre  Emission
geregelt  und  ihre  Wertverminderung  verhindert  werden  ?*  Das  würde
durch  ein  Ansammeln  von  nicht  gemünztem  Gold  in  Barren  geschehen. ­
  Die  Bank  dürfte  nicht  mehr  Noten  ausgeben,  als  der  Wert
der  Barren  beträgt. x  Diese  Vorschrift  würde  genügen,  den  Wert  der
Banknote  auf  Pari  zu  halten,  denn  die  Wechsler  und  die  Bankiers
würden  sich  beeilen,  ihre  Banknoten  gegen  Barrengold  einzutauschen,
sobald  die  Banknoten  an  Wert  verlieren“,  —  und  trotzdem  würde
das  Publikum  nicht  imstande  sein,  sich  des  Edelmetalls  zu  bedienen,
denn  was  könnte  es  für  den  gewöhnlichen  Bedarf  mit  Barren  Goldes
anfangen  ?
Dieses  System  ist  nicht  nur  an  und  für  sich  merkwürdig.  Man
würde  kaum  erwartet  haben,  daß  einer  der  Meister  der  liberalen
Nationalökonomie  eine  Art  Zwangskurs  in  Permanenz  erklärt,  der
nur  auf  Grund  des  Monopols  einer  Staatsbank  funktionieren  kann.
Und  doch  ist  das  die  Meinung  Ricaedo’s.  Er  erklärt  sich  als
absoluter  Gegner  der  freien  Emissionstätigkeit  und  ihrer  Fähigkeit,
sich  selbst  zu  regulieren:  „Die  Behauptung,  daß  die  Emissionen
nicht  den  Bedarf  des  Handels  überschreiten,  ist  vollständig  wertlos,
weil  es  nämlich  unmöglich  ist,  die  Summe  festzusetzen,  die  für  diese
Bedürfnisse  nötig  ist.  Der  Handel  ist  in  seinen  Ansprüchen  unersättlich“ ­
  (S.  505).  Für  einen  liberalen  Individualisten,  wie  es  Ricardo
war,  zeigt  das  wenig  Vertrauen  in  die  Freiheit  des  Individuums  und
in  seine  Fähigkeit,  die  Art  des  Geldes,  die  ihm  am  besten  paßt,  zu
beurteilen.

'Auf  dem  Boden  Eicardo’s  steht  eine  ganze  Reihe  von  Schülern,
recht  eigentlich*  fast  alle  Volkswirtschaft!er  der  ersten  Hälfte  des
19.  Jahrhunderts.  In  England  waren  die  berühmtesten,  die  sich
direkt  an  ihn  anschlossen:  Mac  Culloch,  Eicardo’s  besonderer  Freund
(Grundlagen  der  politischen  Ökonomie,  1828);  James  Mill,  der  Vater
Stuart  Mill’s  (Elemente  der  politischen  Ökonomie,  1821)  und  Nassau
Senior  (Handbuch  der  politischen  Ökonomie,  1885).  y
            
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