Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

die  sie  mit  sich  bringen,  erlangen 1 ).  Den  Klassikern  genügte  es,
daß  die  Arbeiter  als  Verbraucher  an  der  Verbilligung  der  Produkte
Anteil  hätten.  Sismondi  aber  verlangt  mehr.  Solange  die  Arbeit  so
erdrückend  wie  heute  ist,  würde  es  doch  nur  gerecht  sein,  daß  die
Arbeiter  von  der  Einführung  der  Maschinen  durch  Verkürzung  der
Arbeitszeit,  durch  Verlängerung  ihrer  „freien  Zeit“  profitierten!
Unter  der  heutigen  sozialen  Ordnung  und  dank  der  Konkurrenz,  die
sich  die  Arbeitenden  untereinander  machen,  und  deren  Ursachen  für
ihn  in  einer  Überbevölkerung  bestehen,  vermehrt  die  Maschine  die
freie  Zeit  des  Arbeiters  nicht  nur  nicht,  sondern,  indem  sie  die
Konkurrenz  verstärkt,  drückt  sie  seinen  Lohn  herab  und  zwingt  ihn,
immer  intensiver  und  immer  länger  zu  arbeiten.  Auch  hierin  scheint
uns  Sismondi  das  richtige  gesehen  zu  haben.  Es  ist  nicht  einzusehen,
warum  der  Verbraucher  allein  von  dem  ganzen  Vorteil  der  Maschinen
profitieren  sollte,  während  der  Arbeiter  leer  ausgeht,  wenn  es  sich
um  Gegenstände  handelt,  die  nicht  in  den  Verbrauch  des  Arbeiters
eingehen.  Es  würde  nichts  widersinniges  an  sich  haben,  wenn  die
Vorteile  des  Fortschrittes  zum  wenigsten  während  einer  gewissen  Zeit
geteilt  würden,  und  zwar  zwischen  dem  Verbraucher  und  dem  Arbeiter,
so  wie  sie  jetzt  zwischen  dem  Erfinder,  dem  Unternehmer  und  der
Gesellschaft  geteilt  werden.  Diese  Idee  liegt  übrigens  heute  der
Taktik  gewisser  Arbeitergewerkschaften  zugrunde,  wenn  sie  eine
neue  Maschine  nur  dann  annehmen,  wenn  ihnen  eine  Verminderung
der  Arbeitszeit  und  eine  Erhöhung  des  Lohnes  zugesichert  wird.
Auf  die  Produktion  und  die  Maschinen  angewandt,  führt  die
Methode  Sismondi’s  dazu,  hier  ganz  anders  als  die  Klassiker  zu
urteilen.  Ebenso  auch  in  bezug  auf  die  Konkurrenz.
Adam  Smith  hatte  geschrieben:  „Im  allgemeinen  gewährt  jeder
Geschäftszweig  oder  jede  Arbeitsteilung,  wenn  sie  dem  Publikum
Vorteil  bringt,  immer  einen  um  so  größeren,  je  freier  und  allge-*)

  „Wir  haben  schon  an  anderer  Stelle  gesagt,  halten  es  aber  für  wesentlich,
nochmals  darauf  hinzuweisen:  daß  das  wirkliche  Unglück  nicht  in  der  Verbesserung
der  Maschinen  begründet  ist,  sondern  in  der  ungerechten  Verteilung  ihrer  Produkte.
Um  so  mehr  Erzeugnisse  wir  mit  einer  gegebenen  Arbeitsmenge  herstellen  können,
um  so  mehr  sollten  wir,  sei  es  unsere  Annehmlichkeiten,  sei  es  unsere  Erholung  vermehren ­
  können;  der  Arbeiter,  der  sein  eigener  Herr  ist,  würde,  wenn  er  mit  Hilfe
einer  Maschine  in  zwei  Stunden  das  fertiggestellt  hat,  wozu  er  sonst  zwölf  Stunden
braucht,  nach  diesen  zwei  Stunden  mit  der  Arbeit  aufhören,  wenn  er  nicht  irgendeinen ­
  Grund  oder  einen  Zweck  hätte,  ein  größeres  Erzeugnis  zu  verwenden.  Es
liegt  an  unserer  jetzigen  Organisation,  an  der  Versklavung  des  Arbeiters,  daß  er
gezwungen  ist,  wenn  eine  Maschine  seine  Arbeitskraft  erhöht,  nicht  weniger,  sondern
mehr  Stunden  am  Tag  zu  arbeiten  und  zwar  für  denselben  Lohn“  (Nouv.  Princ.,  II,
S.  318,  Anm.).  Diese  Stelle  zeigt  am  klarsten  den  wahren  Gedanken  Sismondi’s
über  die  Maschinen.
            
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