Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch,  Die  Gegner.

möglich  zu  etablieren.  .  .  .  Unter  der  neuen  Ordnung  aber  müssen
die'  wesentlichen  Maßregeln  im  Gegenteil  darauf  gerichtet  sein,  die
von  der  Gesellschaft  für  die  physische  und  moralische  Verbesserung
der  Lebenslage  aller  ihrer  Mitglieder  zu  leistende  Arbeit  so  klar
wie  möglich  festzusetzen  und  ihre  Ausführung  so  harmonisch  wie
möglich  zu  gestalten 1 ).
Hierin  wird  also  die  Aufgabe  der  neuen  Regierung  bestehen,  in
der  die  „Fähigkeit“  die  „Macht“,  und  die  „Leitung“  das  ..Befehlen“
ersetzen  werden 2 ).  Sie  wird  sich  nur  beschäftigen:  „mit  der  einzigen
Art  von  Interessen,  in  der  sich  alle  Menschen  verstehen  können,  und
in  der  Abmachungen  am  Platze  sind,  der  einzigen,  in  der  gemeinsames ­
  Handeln  notwendig  ist,  der  einzigen  daher,  mit  der  sich  die
Politik  befassen  kann:  den  Interessen  des  Lebens  und  des  Wohlstandes ­
  3 ).“
Zur  besseren  Erklärung  seines  Gedankens  schlägt  Saint-Simon
vor,  die  Exekutivgewalt  einer  Abgeordnetenkammer  anzuvertrauen,
die  einzig  aus  den  Vertretern  des  Handels,  der  Industrie  und  der
Landwirtschaft  gebildet  wird,  und  deren  Aufgabe  es  sein  würde,  die
Gesetzesentwürfe  anzunehmen  oder  zurückzuweisen,  die  ihr  von  zwei
anderen  Kammern,  die  sich  aus  Ingenieuren,  Künstlern  und  Gelehrten
zusammensetzen,  unterbreitet  werden,  Gesetzesentwürfe,  die  sich  ausschließlich ­
  mit  der  Förderung  des  materiellen  Wohlstandes  des  Landes
beschäftigen 4 ).
An  Stelle  der  politischen  Regierung  tritt  die  wirtschaftliche
Leitung,  die  Autorität  über  Menschen  macht  der  Verwaltung  der
Dinge  Platz;  die  soziale  Ordnung  wird  nach  dem  Vorbild  der  Ordnung
einer  Werkstatt  eingerichtet,  und  die  in  Produktivassoziationen
umgebildeten  Nationen  haben  als  einziges  Objekt  „durch  friedliche
Arbeit  von  positiver  Nützlichkeit  vorwärts  zu  kommen“  5  6 ):  das  ist  die
neue  Auffassung  Saint-Simon’s,  die  ihn  über  die  Liberalen,  deren

*)  (Euvreschoisies,!!,S.437—438(Fts.  d.  Broschüre:  DesBourbons  usw.).
2 )  L’Organisateur,  (Euvres  compl.  IV,  S.  86  u.  150—151.
3 )  Lettres  k  in  Amerioain,  (Euvres,  II,  S.  188.
4 )  Das  ist  nicht  der  einzige  Plan  einer  Regierung,  den  Saint-Simon  vorgesehlagen
hat.  Er  ist  aber  der  charakteristischste.  Er  findet  sich  im  „Organisateur“  sogleich ­
  nach  der  „Parabole“.  Bemerkenswert  ist,  daß  Saint-Simon  durchaus  gegen
eine  Regierung  von  Gelehrten  ist.  Die  Industriellen  sollen  die  Macht  haben.  Die
Gelehrten  dürfen  nur,beratende  Stimme  erhalten:  „Sollte  sich  zu  unserem  Unglück
eine  Ordnung  der  Dinge  bilden,  in  der  die  Verwaltung  der  zeitlichen  Dinge  in  die
Hände  von  Gelehrten  gelegt  sein  würde,  so  würde  man  sehr  bald  eine  Korruption
in  der  wissenschaftlichen  Welt  eintreten  und  alle  Laster  der  Geistlichkeit  wiederkehren ­
  sehen.  Die  Gelehrten  würden  Metaphysiker,  Schlauköpfe  und  Despoten  werden“
(Syst,  indust.,  (Euvres  compl.,  V,  S.  161).
6 )  Syst.  Indust.,  (Euvres  compl.  VI,  S.  96.
            
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