Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Die  Lösung,  die  andere  in  einer  Umwälzung  der  Produktion  oder
der  Güterverteilung  gesucht  hatten,  glaubt  Pkoudhon  in  einer  Reform
des  Umlaufs  zu  finden.  Der  Gedanke  ist  geistreich  und  verdient
in  einer  Geschichte  der  Doktrinen  aufgezeichnet  zu  werden,  weil  er
wahres  mit  falschem  vermischt  enthält,  und  auch,  weil  die  Bank
Pboudhon’s  das  Vorbild  einer  Reihe  ähnlicher  Projekte  ist,  die  man
nicht  mit  Stillschweigen  übergehen  kann.  In  diesem  Sinn  werden
wir  ihn  hier  besprechen.  Wir  lassen  die  philosophischen,  moralischen
und  politisch-theoretischen  Ideen  Peoudhon’s  beiseite 1 ).  Zwar  sind
sie  sicherlich  ebenfalls  interessant,  aber  sie  beschäftigen  uns  nur  in
dem  Maße,  wie  sie  den  Volkswirtschaftler  Pkoudhon  beeinflußt  haben.

§  1.  Kritik  des  Eigentums  und  des  Sozialismus.
Das  Werk,  das  ihn  vom  Tage  seines  Erscheinens  an  zu  einer
Berühmtheit  stempelte,  wurde  1840  veröffentlicht  und  hieß:  „Was
j_st  das  Eigentum?“  (Qu’est-ce  que  la  propriete?)
Pkoudhon  war  damals  31  Jahre  alt 2 ).  Sein  Vater  war  ein
Brauer  in  Besangon  ®),  und  der  junge  Pkoudhon  hatte  schon  frühzeitig ­
  seinen  Lebensunterhalt  verdienen  müssen.  Zuerst  Korrektor
in  einer  Druckerei  und  dann  Druckereibesitzer,  hatte  er  sich,  mitten
in  seiner  Arbeit  und  ohne  einen  anderen  Führer,  als  seinen  brennen-')

  Man  findet  sie  höchst  eindrucksvoll  in  dem  Buche  Bouglü’s:  La  Sociologie
de  Proudhon,  Paris,  1911  dargelegt.
2 )  Die  hauptsächlichsten  Werke  Phoudhon’s  sind  die  folgenden:  184Ü,  Qu’estce
  que  la  propriete?  (Was  ist  das  Eigentum?  oder  Untersuchungen  über  das-Prinzip
  des  Rechtes  und  der  Regierung;  —  1846,  Systemes  des  contradictionseconomiques,'ou
  Philosophie  de  la  misere  (Systeme  der  volkswirtschaftlichen
Widersprüche  oder  Philosophie  des  Elends);  —  1848,  Organisation  du  credit
et  de  la  circulation  et  solution  du  probleme  social  (Kredit  und  Umlauforganisation ­
  und  Lösung  der  sozialen  Frage);  —  1848,  Resume  de  la  question
sociale,  Banque  d’echange;  —  1849,  Les  Confessions  d’un  Revolutionnaire;
  —  1850,  Interöt  et  Principal  (Zinsen  und  Stammkapital),  Diskussion ­
  zwischen  Bastiat  und  Pkoudhon  ;  —  1858,  De  la  Justiöe  dans  la  Revolution ­
  et  dans  l’Eglise.  3  Bände;  —  1861,  La  guerre  et  la  paix;  —  1865,
De  la  capaoite  politique  des  classes  ouvriöres.  —  Wir  zitieren  nach  den
von  Laceoix,  Vekbcbckhoven  &  Co.  (1867—1870)  in  26  Bänden  herausgegebenen.
(Euvres  completes  (Paris-Brüssel).
3 )  „Madame,  wissen  Sie,  wer  mein  Vater  war?  Ein  ehrlicher  Brauer,  dem  es  nie
in  den  Kopf  ging,  daß  er,  um  Geld  zu  verdienen,  teuerer  verkaufen  müsse,  als  der
Kostenpreis  betrug.  Br  behauptete  immer,  daß  das  schlecht  erworbenes  Geld  sei.  —
Mein  Bier,  sagte  er  stets,  kostet  mir  so  und  so  viel,  einschließlich  meines  Lohnes?
teuerer  kann  ich  es  nicht  verkaufen.  —  Was  eintreten  mußte,  geschah!  Mit  all  seiner
Ehrlichkeit  hat  mein  Vater  arm  gelebt,  ist  arm  gestorben  und  hinterließ  annft
Kinder.“  Brief  an  Mme  d’Agoult  (Briefwechsel,  Bd.  II,  S.  239).
            
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