Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes  Buch.  Der  Liberalismus.

wirtschaftlichen  Erzeugnisse  und  überhaupt  für  alle  Produkte,  auch
'l  für  die  industriellen  Produkte  konstatiert 1 ).  Stüaet  Mill  dehnt  es
sogar  auf  die  persönlichen  Fähigkeiten  aus.  Das  Gesetz  der  Rente
wird  daher  außerordentlich  erweitert,  obgleich  etwas  weniger  als  bei
Senior  (vgl.  oben  S.  398),
7.*  Das  Gesetz  des  internationalen  Austausches.  *—  Rufen  wir
uns  zunächst  ins  Gedächtnis  zurück,  daß  für  die  Yolkswirtschaftler
der  liberalen  Schule  (vgl.  oben  Eicabdo,  SS.  185—186,  Dünoybe,
SS.  392—394)  der  Austausch  zwischen  den  Ländern  von  den  gleichen
Gesetzen  regiert  wird,  wie  der  Austausch  zwischen  Individuen,  und
genau  die  gleichen  Vorteile  verschafft:  nämlich  jeder  der  beiden
Parteien  eine  gewisse  Arbeitsmenge  zu  ersparen,  indem  er  ihr  —  durch
das  Überlassen  eines  Produktes,  das  ihr  z.  B.  15  Arbeitsstunden  gekostet ­
  hat,  ein  Produkt  verschafft,  das  20  Arbeitsstunden  gekostet
hätte,  wenn  man  es  selbst  hätte  produzieren  wollen.  Der  Gewinn
liegt  daher  einzig  auf  der  Seife  der  Einfuhr,  die  Ausfuhr  ist  nur
das  Mittel  und  mißt  sich  nur  durch  den  Überschuß  des  Einfuhrwertes
über  den  Ausfuhrwert.
Daher  ergab  es  sich  als  sicher,  daß  beide  Parteien  gewinnen:
freilich  war  es  nicht  sicher,  und  sogar  nicht  einmal  wahrscheinlich,
daß  der  Vorteil  für  beide  Teile  gleich  sei;  man  glaubte  aber  zu  der
Behauptung  berechtigt  zu  sein,  daß  der  größere  Gewinn  dort,  wo
eine  Ungleichheit  auftrat,  dem  ärmeren  der  beiden  Länder,  dem
von  Natur  ärmeren  oder  industriell  rückständigeren,  zutiel.  Auf
Grund  der  Definition  würde  ja  gerade  dieses  größere  Mühe  gehabt
haben,  die  eingeführten  Produkte  selbst  zu  erzeugen  oder  wäre  möglicherweise ­
  überhaupt  nicht  imstande  gewesen,  sie  hervorzubringen.

0  „Der  Kostenwert  einer  Ware  ist  der  der  Quantität,  die  am  teuersten  gewesen ­
  ist“  (Principles,  B.  III,  Kap.  6  §  1,  Abt.  7).
„Der  höhere  Gewinn,  den  ein  Fabrikant  oder  ein  Händler  aus  der  Verwendung
von  größeren  Fähigkeiten  oder  einer  besseren  geschäftlichen  Organisation  zieht,  ähnelt
stark  einer  Eente  ...  Sie  genießen  diesen  Vorteil  nur,  weil  sie  einen  Gegenstand
zu  einem  von  den  Produktionskosten  der  Konkurrenten  geregelten
Preise  verkaufen  können,  den  sie  selbst  mit  geringeren  Kosten  herzustellen
verstehen“  (Ebenda).
Jedoch  besteht  zwischen  der  landwirtschaftlichen  und  der  industriellen  Produktion
der  schon  von  Sbniok  klar  hervorgehobene  Unterschied,  daß  die  erstere  durch  das  Gesetz
des  sinkenden  Bodenertrages  begrenzt  ist,  während  die  zweite  im  Gegenteil  sich  eines
steigenden  Ertrages  erfreut,  d.  h.,  daß  gewöhnlich  die  proportioneilen  Kosten  im
Maßstabe  sinken,  wie  die  Produktion  wächst.  Daraus  ergibt  sich  also,  was  übrigens
von  Stuart  Mill;  klar  gezeigt  wird,  daß  der  industrielle  Produzent  das  Interesse
hat,  den  Verkaufspreis  der  Waren  zu  verringern,  um  mehr  hersteilen  zu  können  und
so  durch  die  Vervielfältigung  der  Gewinne  und  die  Erniedrigung  der  allgemeinen
Unkosten  das  für  jede  Einheit  gebrachte  Opfer  wieder  einzubringen.
            
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