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Viertes Buch. Die Abtrünnigen,
muß diese Haltung- dem Einfluß anarchistischer Ideen auf die Führer
der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich zugeschrieben werden.
Das Zusammenfallen dieser doppelten Ideenströmung — neo
marxistisch und anarchistisch, — die’ die französische Arbeiterklasse
dem Staatssozialismus abwendig macht, ist eine interessante Tatsache,
deren politische Folgen leicht sehr beträchtlich werden können 1 ).
') Wir bedauern, daß es uns nicht möglich gewesen ist, weder in diesem noch
dem vorhergehenden Kapitel einen hervorragenden deutschen Nationalökonomen zu
erwähnen, der aber ebensowenig der historischen Schule wie dem Staatssozialismus
angehört; es ist das der Göttinger Professor Lexis. Er hat Arbeiten über die ver
schiedensten Gegenstände veröffentlicht, wie über Währungsfragen, Bevölkerungs
theorie und allgemeine volkswirtschaftliche Theorie. Diese Arbeiten sind in Zeit
schriften und Rundschauen verstreut, — besonders in den Jahrbüchern für
Nationalökonomie und Statistik, in Schönbehg’s Handbuch und in dem
großen Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Sie zeichnen sich alle
durch ihre elegante Klarheit und einen bemerkenswerten wissenschaftlichen Sinn aus.
Lexis scheint die Überlieferung der klassischen Volkswirtschaftler fortzusetzen, ver
wirft aber ihren Optimismus, den man nur zu oft als untrennbar von dieser Tradition
betrachtet. 1910 hat Lexis seine allgemeine Lehre endlich in einer Allgemeinen
Volkswirtschaftslehre zusammengefaßt, in der man eine Gesamtansicht der
wirtschaftlichen Welt als eines riesigen Güterumlaufs findet. Außer einer höchst
interessanten Krisentheorie, auf die wir hier nicht näher eingehen können, scheint
uns der selbständigste Teil des Buches in der Theorie über die Verteilung des
sozialen Produktes zwischen Arbeitern und Kapitalisten zu bestehen. Nach Lexis
besteht die Gesamtmenge der (materiellen) Güter aus Arbeitserzeugnissen und
kann sogar an der Arbeit gemessen werden. Woher kommt dann aber das Ein
kommen der Kapitalisten? Sein Profit stammt nicht, (wie Marx meinte), von einer
Ausbeutung des Arbeiters in der Sphäre der Produktion, sondern davon, daß er auf
den Verkaufspreis der Gegenstände, auf die Summe, die den Lohn des Arbeiters vor
stellt, eine Summe aufschlägt, die den Zinsen seines Kapitals entspricht. Daher
liege der Ursprung des Profites in der Sphäre des Umlaufs. Wozu dient den Kapi
talisten aber die Erhöhung des Verkaufspreises, da doch unter diesen Umständen
die Arbeiter die von ihnen erzeugten Gegenstände auf dem Markt nicht allein aus
ihrem Lohn zurückkaufen können ? — Es genügt, daran zu denken, daß die Arbeiter
nicht nur Gegenstände herstellen, die zu ihrem eigenen Verbrauch dienen, sondern
auch solche, die zu dem der Kapitalisten bestimmt sind. Mit dem in der Herstellung
dieser letzteren Produkte verdienten Lohn ist die Arbeiterklasse, als Klasse, im
Stande, die ihr notwendigen Gegenstände zum Marktpreise zu bezahlen, d. h. also,
einschließlich der Zinsen, die den Gewinn des Kapitalisten darstellen. Beim Ankauf
ihrer eigenen Verbrauchsgegenstände zahlen die Kapitalisten sich gegenseitig die
Zinsen, die im Warenpreise enthalten sind. Als Klasse verändert sich ihre Lage
daher nicht, aber für jeden Unternehmer gerät individuell der Profit in ein gleiches
Verhältnis zu seinem Kapital. Auf diese Weise wird der größte Einwurf gegen das
von Marx zur Erklärung der Erhebung des Profites aufgestellte Schema beseitigt.
Diese Erklärung des von den Kapitalisten eingestrichenen Mehrwertes ist äußerst
scharfsinnig. Wie man sieht, ist Lexis stark von Eodbbrtus und Marx beeinflußt,
deren lebensfähigste Prinzipien er sich zu eigen gemacht zu haben scheint. Trotz
der Einwürfe, die sein Buch hervorruft, ist es doch eins der selbständigsten Werke,
die in den letzten Jahren erschienen sind.