Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

die  Theorie  der  Mehrarbeit  und  des  Mehrwertes;  der  andere
ist  das  Gesetz  der  automatischen  Expropriation  oder,  wie
man  allgemeiner,  wenn  auch  weniger  klar  sagt:  das  Gesetz  der  Konzentration. ­
  Die  erstere  gründet  sich  auf  eine  besondere  Auffassung ­
  des  Tausches  und  des  Wertes,  die  zweite  auf  eine  besondere
Auffassung  der  wirtschaftlichen  Entwicklung;  die  eine  könnte  man
statisch,  die  andere  dynamisch  nennen,  um  die  Bezeichnungen  Auguste
Comte’s  anzuwenden.

§  1.  Die  Mehrarbeit  und  der  Mehrwert.
Um  von  der  mühsamen  Darlegung,  die  folgt,  nicht  gleich  am
Anfang  abgeschreckt  zu  werden,  wird  es  gut  sein,  zunächst  zu  er-Bände
  sind  erst  nach  seinem  Tode  erschienen,  und  zwar  1885  und  1894;  die  Herausgabe ­
  wurde  von  Engels  besorgt.
Dieses  monumentale  Werk  hat  wie  die  Bibel  oder  die  Pandekten  unzählige
Kommentatoren  und  Exegeteu  gefunden.  Sicherlich  hat  von  der  ganzen  Literatur  des
19.  Jahrhunderts  kein  Buch  einen  gleich  tief-  und  weitreichenden  Einfluß  ausgeübt.
Aber  auch  seine  anderen  Werke,  obgleich  weniger  oft  zitiert,  sind  äußerst  bedeutend,
—  besonders:  La  Misere  de  la  Philosophie  (1847  in  Antwort  auf  Phoudhon’s
Buch  über  Les  Contradiction  s  Economiques  veröffentlicht);  Zur  Kritik
der  politischen  Ökonomie  (1869),  und  besonders  das  im  Januar  1848  herausgegebene ­
  „kommunistische  Manifest“,  das  zur  Zeit  seines  Erscheinens  als
einfache  Broschüre  weiter  kein  Aufsehen  erregte,  von  dem  aber  Labriola  in  seinem
Essai  sur  laconception  materialiste  de  l’Histoire  S.  21,  nicht  ohne
einige  Übertreibung  hat  sagen  können;  „Das  Datum  (seines  Erscheinens)  bezeichnet
den  Beginn  der  neuen  Ara“.  Immerhin  ist  es  wahr,  daß  der  ganze  zeitgenössische
Sozialismus  von  diesem  Brevier  lebt.  Man  müßte  es  vollständig  anführen.  Keiner
der  Sätze,  die  es  enthält,  verfehlt  sein  Ziel  und  fast  ein  jeder  ist  tausendfach
wiederholt  worden.  Vgl.  die  franz.  Ausg.,  die  1S01  mit  einer  sehr  gelehrten  Einführung ­
  Andler’s  veröffentlicht  wurde.  (Die  angeführten  Stellen  des  kommunistischen
Manifests  sind  der  sechsten  Ausgabe,  Berlin  1896  entnommen.  Anm.  d.  Übers.).
Es  ist  eine  sehr  umstrittene  Frage,  ob  und  in  welchem  Maße  Karl  Marx  vom
französischen  Sozialismus  beeinflußt  worden  ist,  besonders  von  dem  Pbcqueür’s  und
Phoudhon’s  (siehe  hierüber  einen  Aufsatz  Boueguin’s  in  der  Revue  d’Economie
Politique  von  1892,  Des  rapports  entre  Proudhon  et  K.  Marx).  Auf  jeden
Fall  hat  er  Proudhon  sehr  gut  gekannt,  da  eins  seiner  Bücher  sich  die  Aufgabe
stellt,  den  „kleinen  Bourgeois“,  wie  er  ihn  nannte,  zu  widerlegen.  Wir  werden
im  folgenden  einige  Übereinstimmungen  feststellen,  die  wohl  auf  eine  Verwandschaft
der  Lehren  hinweisen  dürften.  Doch  ist  es  wahrscheinlich  mehr  bei  den  ersten
englischen  Sozialisten  (wie  Anton  Mengbb  bemerkt),  besonders  bei  Thompson  (s,  o.
S.  276),  wo  man  die  Anreger  von  Marx  suchen  muß.
Neben  Marx  darf  man  seinen  unzertrennlichen  Freund  und  Mitarbeiter  Friedrich
Engels  nicht  vergessen,  der  aber  bescheiden  im  Schatten  des  Meisters  lebte.  Doch  hat
gerade  er  an  dem  kommunistischen  Manifest  von  1848  mitgearbeitet;  nach  dem
Tode  Marx’  hat  er  treulich  die  drei  Bände  seiner  posthumen  Werke  gesammelt  und
herausgegeben.  Es  ist  recht  schwierig,  den  Anteil  zu  bestimmen,  den  er  am  Werke
Karl  Marx’  gehabt  hat,  doch  dürfte  er  nicht  gering  gewesen  sein.

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