Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Der  Marxismus.

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b)  in  der  täglichen  und  praktischen  Betonung  und  Verwirklichung ­
  des  Klassenkampfes,  des  wirklichen,  richtigen  und  einzigen
revolutionären  Kampfes  zwischen  Lohnempfängern  und  Kapitalisten,
des  Kampfes,  der  gerade  auf  dem  Klassenbewußtsein  beruht,  und  der
alle  Kriegsmittel,  Streiks,  Gewalt  usw.  anwendet  —  des  Kampfes,
der  jede  Hilfe  der  bürgerlichen  Klassen  zurückweist,  jede  Einmischung ­
  des  Staates,  jede  aufgezwungene  Reform,  und  der  alles  nur
sich  selbst,  der  Selbsthilfe  (action  directe),  verdanken  will 1 ).
Nur  dieser  Kampf  bringt  das  neue  Recht  der  Zukunft,  soweit
es  in  Widerspruch  mit  den  heutigen  juristischen  Auffassungen
steht,  die  die  Bourgeoisie  geschaffen  hat.  Daher  muß  dieser  Geist
des  Kampfes  mit  allen  Mitteln  genährt  werden,  nicht  gerade  um  den
Haß  zu  schüren,  wohl  aber,  um  die  Flamme  lebendig  zu  halten.  Dies
ist  die  Aufgabe,  die  Pflicht  des  Sozialismus.
Es  ist  zu  bemerken,  daß  dieser  Kampf  von  nun  an  als  einziges
Ziel  der  Tätigkeit  des  revolutionären  Syndikalismus  genügt,  denn  er
braucht  sich  jetzt  nicht  mehr,  wie  die  Sozialisten  früherer  Zeit,  um
die  Organisation  der  Arbeit  und  der  Gesellschaft  zu  kümmern.  Alles
das  ist  schon  vom  Kapitalismus,  und  vom  wirtschaftlichen  Gesichtspunkte ­
  aus  sogar  auf  das  beste,  organisiert.  Es\  ist  nur  noch  nötig,
seinen  Platz  einzunehmen 2 ).

Seele  des  Proletariats  ausmacht  und  nicht  in  den  allgemeinen  Verfall  der
moralischen  Werte  hineingezogen  werden  wird,  wenn  die  Arbeitenden  genügend
Energie  haben,  um  den  bürgerlichen  Verführern  den  Weg  zu  sperren,  indem
sie  ihr  Entgegenkommen  mit  der  ausgesprochensten  Brutalität  zurückweisen“
(ebenda  S.  263).
Diese  Moral  steht  übrigens  im  Gegensatz  zu  der  Moral  des  Verbrauchers,  dem
Ideal  des  Rentiers  und  der  „gelehrten  Müßiggänger“,  die  die  sozialen  Vereinigungen
der  Käufer  und  die  Konsumgenossenschaften  die  Oberhand  gewinnen  sehen  möchten
Ggl.  oben  S.  388).
‘)  Dieser  ununterbrochene  Kampf  ist  das,  was  G.  Sobbl  die  „Gewalt“  —  la
violence  —  nennt,  und  die  er  für  außerordentlich  heilsam  erklärt.  „Ich  habe  nachgewiesen, ­
  daß  die  proletarische  Gewalt  eine  ganz  andere  historische  Bedeutung
bat,  als  die,  die  ihr  oberflächliche  Gelehrte  und  Politiker  beilegen“.  Man  muß
über  darauf  hinweisen,  daß  man  ihm  zu  Unrecht  yorgeworfen  hat,  die  Sabotage  gut
z u  heißen:  „Die  Sabotage“,  sagt  er,  „ist  ein  Verfahren  des  alten  Regime  (?)  und
dient  keineswegs  dazu,  den  Arbeiter  auf  den  Weg  der  Emanzipation  zu  führen“
(Mouvement  socialiste,  1.  und  15.  November,  1905).
Man  weiß,  wie  stark  in  diesem  Augenblick  in  Frankreich  der  Antagonismus
zwischen  den  Socialistes  ünifies,  die  sich  hauptsächlich  aus  der  alten  marxistischen ­
  Partei  rekrutieren,  und  deren  Programm  in  der  Eroberung  der  öffentlichen
Gewalt  besteht  —  und  den  Syndicalistes  ist,  die  weder  dem  allgemeinen
Stimmrecht,  noch  den  Beschlüssen  des  Parlamentes  etwas  verdanken  wollen.
2 )  „Von  nun  an  wird  man  nicht  mehr  danach  suchen,  wie  die  Menschen  sich
einzurichten  haben,  um  das  zukünftige  Glück  zu  genießen;  alles  besteht  in  der
revolutionären  Schulung  des  Proletariats“  (Soeel,  ebenda,  Einleitung,  8.  37).
            
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