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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
Dieser Auffassung würde nichts weiter hinzuzufügen sein, wenn
Waleas nicht selbst einen Einwurf erhoben hätte, der ihn dazu
brachte, seine Auffassung vom Fortschritt der Bodenrente in der
interessantesten Art tind Weise zu präzisieren.
Wenn, sagt Waleas, der Staat den Grundbesitzern den mathe
matischen Wert ihres Bodens zahlt, indem er in diesen Preis eine, das
zukünftige Wachstum der Bodenrente eskomptierende Summe einschließt,
wie soll er hoffen können, diese Summe zu amortisieren? Wenn der
Wert des Bodens genau berechnet wird, dann müssen auch die Zinsen
des Eückkaufspreises und die als Pachtsummen erhobenen Beträge
sich genau die Wage halten, da die einen nur den Preis der anderen
vorstellen; daher wird der Staat niemals aus der Bodenrente das
Schuldkapital zurückzahlen können. Die Operation würde weder Vor
teile noch Nachteile haben. Wie soll man diesem Einwurf begegnen?
Höchst einfach. Wenn er wirklich begründet wäre, so müßte er
schon heute gegen jede Terrainspekulation seine Geltung haben.
Wenn die Einzelkäufer den Verkäufern einen Preis zahlen sollten,
der genau den Gegenwert aller zukünftigen Mehrwerte darstellt, so
würden sie sich im voraus der Vorteile, die sie erhoffen, begeben.
Wie aber ein jeder weiß, tritt nichts derartiges ein. Spekulationen
dieser Art finden jeden Tag statt, und zwar aus dem guten Grunde,
weil der Mehrwert stets in gewisser Weise auf dem Zufall beruht.
Der Käufer, der besser unterrichtet oder weitsichtiger als der Ver
käufer ist, glaubt fester, als dieser an das Steigen des Wertes
oder behält sich vor, diese Steigerung selbst durch entsprechende
Maßnahmen herbeizuführen. Der Staat würde nun, nach dem Kück-
kauf in derselben Lage sein, wie der fragliche Spekulant. Nach
Waleas ist es unausbleiblich, daß der Mehrwert des Bodens in der
Zukunft schneller steigt, als sich die jetzigen Besitzer dies vorstellen,
und zwar infolge einer wirtschaftlichen Entwicklung, die wohl die
Besitzer verkennen mögen, auf die aber der Staat im Gegenteil mit
voller Sicherheit rechnen kann 1 ).
wohnlichen Käufer anbieten kann: unter anderem kann der Staat zu leichteren
Bedingungen Anleihen aufnehmen und folglich einen höheren Preis bieten.
') Auf einer analogen Psychologie beruht auch das Kückkaufsprojekt, das Gide
in einem Aufsatz im Journal des Eoonomistes (S. 190) im Juli 1883 entwickelt
hat. „Der Staat würde den Besitzern Vorschlägen, ihnen ihren Grund und Boden
gegen sofortige bare Zahlung abzukaufen, unter der Bedingung der Übereignung
nach Ablauf von 99 Jahren. Es ist kaum denkbar, daß unter solchen Bedingungen
ein Besitzer nicht auf dieses Anerbieten eingehen würde und zwar sogar gegen
eine sehr geringe Entschädigung; denn da eine Zeit von 99 Jahren für einen Jeden
von uns „auf immer“ bedeutet, wurde der gezahlte Preis für den Besitzer ein wirk
liches Geschenk sein, und er würde keinen Grund haben, besonders hohe Forderungen
zu stellen.“