Kapitel II. Die Theorie der Bodenrente und ihre Anwendungen. 655
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„Ich glaube mit mehreren anderen kompetenten Volkswirt
schaftlern“, sagt er, „daß die Menschhheit zurzeit in einer höchst
beträchtlichen wirtschaftlichen Entwicklung begriffen ist, indem sie
von der landwirtschaftlichen Wirtschaftsstufe, auf der sie seit einigen
Jahrtausenden lebte, zur Industrie- und Handelsstufe übergeht, die
sich im wesentlichen durch die Tatsache kennzeichnet, daß der land
wirtschaftliche Betrieb sehr große Kapitalien auwenden muß, um eine
viel zahlreichere Bevölkerung zu ernähren. Ich glaube, daß diese
Entwicklung, deren Ergebnis ein neuer Mehrwert der Bodenrente,
ohne Vermehrung der Seltenheit oder des Wertes der landwirtschaft
lichen Erzeugnisse, sein wird, bisher von den Besitzern noch nicht
eskomptiert werden konnte, da er erst von einigen wenigen offenen
und klaren Köpfen bemerkt worden ist. Daher bin ich der Meinung,
daß, wenn der Staat den Boden vor dieser Entwicklung, um die es
sich hier handelt, zurückkaufte, und dann alles täte, was in seiner
Macht steht, um diese Entwicklung zu begünstigen (und der Rück
kauf an sich würde schon in diesem Sinne wirken), so würde er in
dem normalen Mehrwert reichliche Mittel finden, um den’Rückkaufs
preis zu amortisieren“ 1 ).
Walbas ist also wie Eicaedo, dessen Lehre hier eine Art von Auf
erstehung erlebt, davon überzeugt, daß wir in der Zukunft ein Wachsen
des Mehrwerts der „Bodendienste“ (Services fonciers) erleben werden,
das auf der begrenzten Menge des Bodens beruht. Nur verwirft seine
Theorie, anstatt sich wie die Ricaedo’s auf das Gesetz des sinken
den Bodenertrages zu stützen, im Gegenteil die Möglichkeit einer
Verminderung der landwirtschaftlichen Produktion. Sie gründet sich
einfach auf den sicheren Übergang vom landwirtschaftlichen zum
industriellen und Handelszustand, von der extensiven zur intensiven
Bewirtschaftung, die dem Boden einen steigenden Wert verleihen
wird. Indem der Staat selbst diesen Übergang durch entsprechende
Maßnahmen begünstigt, kann er zu dem Erfolge dieser riesenhaften
Operation beitragen, die übrigens nicht die einzige sein wird: denn
der Rückkauf der Bergwerke, der Eisenbahnen und anderer wirt
schaftlicher Monopole muß notwendig damit verbunden werden * 2 ).
■) Walbas, Btudes d’eoonomie sociale, S. 368. Die mathematische Unter
suchung der Theorie findet sich in der Theorie mathematique du prix des
t er res; sie ist in gewöhnlicher Sprache in dem Aufsatz: „Un eoono miste in-
connu, S. 365ff., und noch einfacher in den Ausführungen über das Probleme
tiscal zusaramengefaßt (S. 446-449).
2 ) „Die gleiche Kombination würde auf den Eücbkauf der Bergwerke, der
Eisenbahnen und anderer natürlicher und notwendiger Monopole anwendbar sein, wo
das Prinzip der freien Konkurrenz nicht wirken kann, und die vom Gesichtspunkt
des Mehrwertes in einer fortschreitenden Gesellschaft den gleichen Charakter haben, wie
der Boden (Btudes d’economie sociale, S. 347, Anm,; vgl. auch S. 237ff.).