Kapitel II. Die Theorie der Bodenrente und ihre Anwendungen. 665
den Dorfgemeinden, den städtischen Verwaltungen oder der Regierung
selbst geleitet, ohne daß irgendeine Mittelsperson oder ein Kapitalist
dazwischentritt. Die Gemeinde schafft und unterhält ihre eigenen
Parkanlagen, Kunstmuseen, Bibliotheken, Hörsäle, Straßen, Wege,
Brücken, Märkte, Schlachthäuser, Feuerspritzen, Leuchttürme, Lootsen,
Fähren, Schlepper, Rettungsboote, Friedhöfe, öffentliche Bäder, Wasch
anstalten, Tierasyle, Häfen, Kais, Armenhäuser, Krankenhäuser, Poli
kliniken, Gasanstalten, Wasserleitungen, Straßenbahnen, Telegraphen
kabel, Felder, "Wiesen, Ärbeiterhäuser, Schulen, Kirchen, Lese
hallen usw.“ Zur gleichen Zeit wie der Staat der Privatindustrie
Konkurrenz macht, beaufsichtigt und überwacht er sie: „Der Staat
schreibt in den meisten der großen industriellen Unternehmungen
das Älter des Arbeiters, die Arbeitsdauer, die Menge an Luft, Licht
und Raum, die Temperatur, den Zustand der Aborte, die Zeit der
Mahlzeiten und der Ruhepausen vor; ebenso wie den Ort, die Zeit
und die Art und Weise, in der die Löhne zu zahlen sind; in welcher
Weise Treppen, Maschinen, Aufzüge, Bergwerke, Steinbrüche durch
Schranken und Schutzvorrichtungen geschützt werden müssen; wann
und wie die Maschinen gereinigt, ausgebessert und in Betrieb zu
setzen sind ... Von allen Seiten wird der individualistische Kapi
talist inspiziert, kontrolliert und nötigenfalls von der Kollektivität
ersetzt“ 1 ).
Man sieht, ruft Webe aus, daß wir schon mitten im Sozialismus
stehen! Unsere Gesetzgeber sind schon alle, ohne es zu wissen,
Sozialisten und „die Wirtschaftsgeschichte des Jahrhunderts ist eine
fast ununterbrochene Kette des Fortschrittes des Sozialismus“ 2 ).
Die Sozialisten — so wiederholen die Fabier nach dem Vorbild der
Saint-Simonisten — tun weiter nichts, als klar die Entwicklung aus
zudrücken, zu der ein jeder verworren beiträgt. „Anstatt unbewußte
Faktoren zu bleiben, machen wir uns bewußt und absichtlich zu
ihren Trägern, sei es, um die Umwandlungen, die wir bemerken, zu
begünstigen, sei es, um sie zu bremsen 8 ).“
Hiermit sind wir weit von Karl Marx entfernt und noch weiter
von seinen syndikalistischen Schülern. In Wirklichkeit werden wir
damit zu der Geschichtsphilosophie der Staatssozialisten zurück-
J ) Fabian Essays, S. 48—49.
2 ) Ebenda, S. 31.
3 ) Sidney Webe, The diffieulties of individualism in den Problems
of modern indnstry, S. 231. Daher erklärt Webb auch in den Eabian Essays,
S. 36 : „Die Sozialisten wie die Individualisten kommen zu der Einsicht, daß die
Grundbedingungen bedeutender organischer Veränderungen sind: 1. demokratisch zu
sein . . .; 2. allmählich . . .; 3. von der Masse des Volkes nicht als unmoralisch ange
sehen zu werden . . .; 4. zum mindesten in England, konstitutionell und friedlich