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III. Kapitel.
gesetzt. Eine Privatperson versieht sich gewöhnlich aus ihrem Bankkonto
mit Taschengeld. Eine Detailhandelsfirma stärkt ihr Bankkonto mit dem
Ertrage der Ladenkasse. In beiden Fällen besorgt die Bank die Vermittlung
des Austausches.
In irgend einem Gemeinwesen wird das quantitative Verhältnis von
Depositenumlaufsmitteln*) zum Gelde durch verschiedene Bequemlich
keitsrücksichten bestimmt. Je höher vor allen Dingen der Geschäfts
verkehr in einem Gemeinwesen entwickelt ist, desto vorherrschender ist
daselbst der Gebrauch von Schecks. An Plätzen mit hochentwickeltem Ge
schäftsbetrieb werden die von den Kaufleuten untereinander abgeschlossenen
bedeutenden Geschäfte gewöhnlich mittelst Scheck und die kleineren durch
Barzahlung erledigt. Je konzentrierter die Bevölkerung ist, desto mehr ge
winnt der Gebrauch von Schecks die Oberhand. In Städten ist es für den
Zahlenden und auch für den Empfänger bequemer, große Zahlungen per
Scheck vorzunehmen, während auf dem Lande das Aufsuchen einer Bank
infolge Zeit- und Geldverlustes zu teuer zu stehen kommt, um den Schecks
den Vorzug zu geben. Aus diesem Grunde wird im Verhältnis zum Umfange
der zustande kommenden Geschäfte auf dem Lande mehr Geld gebraucht 1 2 ).
Je wohlhabender ferner die Mitglieder des Gemeinwesens sind, desto aus
giebiger kommen Schecks zur Verwendung. Arbeiter gebrauchen sie selten;
Kapitalisten, Angehörige der gelehrten Berufe und Gehalt beziehende Per
sonen hingegen gebrauchen sie gewöhnlich, und zwar sowohl für persön
liche als auch für geschäftliche Zwecke.
Es herrscht also, was Bequemlichkeit und Gewohnheit betrifft, eine
gewisse Beziehung zwischen der Scheck- und Bargeldzirkulation und ein
mehr oder weniger stabiles Verhältnis zwischen der Depositenbilanz des
Durchschnittsmenschen oder der Durchschnittsgesellschaft und dem Geld
bestand in Tasche oder Ladenkasse. Diese Tatsache, auf ein ganzes Land
angewendet, bedeutet, daß sich aus Bequemlichkeitsgründen ein ungefähres
Verhältnis zwischen G und G' herausbildet. Wenn dieses Verhältnis zeit
weilig gestört wird, dann wird eine Tendenz zur Wiederherstellung des
alten Verhältnisses einsetzen. Es erfolgt dann ein Deponieren des Über
schusses an Bargeld oder ein Flüssigmachen des Zuviel an Depositen.
Es hat also sowohl das in Umlauf befindliche als auch das in Reserve
1 ) Laughlin benützt in seinen Principles of Money den bequemen Ausdruck „Depo-
sitenumlaufsmittel“ (deposit currency) S. 118.
2 ) Siehe Kinleys „Credit Instruments", Report of (he Äational Monetary Commission,
Senatsdokument 399, 61. Kongreß, 2. Session, 1910, S. 188.