fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

480 Kap. XIV. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktion. 
dem Umfang dieses Zweiges richtet. Bei unseren Studien über die 
Einwirkung der Konjunkturen auf die Produktion haben wir deshalb 
nur zu unterscheiden zwischen der Produktion von festem Kapital 
und der Produktion von Gütern, die direkt in die Konsumentenwirt- 
schaften übergehen. Der Kürze halber wollen wir diese beiden Zweige 
der Produktion als ‚„„‚Kapitalproduktion‘‘ und „Konsumgutproduktion‘‘ 
bezeichnen. Für den Umfang der Produktion beider Arten wird, wie wir 
gleich sehen werden, die Produktion von beweglichem Kapital gewisser 
Arten den besten Maßstab liefern. 
Betrachten wir zuerst die Kapitalproduktion. Das wichtigste, feste 
Kapital der modernen Wirtschaft besteht, wie wir wissen, in Gebäuden 
und Eisenbahnen. Wollen wir also den Einfluß der Konjunkturen auf 
die Kapitalproduktion direkt feststellen, so haben wir die statistischen 
Daten über den Hausbau, resp. den Eisenbahnbau heranzuziehen. 
Betreffend den Hausbau haben wir für die Vereinigten Staaten 
eine Statistik der jährlich aufgewandten Baukosten in den 52 wichtig- 
sten Städten. Die Ziffern sind für Kalenderjahre in Millionen Dollars?): 
1904 469 1909 772 
1905 645 1910 726 
1906 679 1911 688 
1907 646 1912 739 
1908 566 1913 660 
Die Ziffer für. 1907 ist dadurch um 20 Millionen Dollars erhöht 
worden, daß drei neue Städte in die Statistik aufgenommen worden 
sind. Es geht aber aus der Tabelle hervor, wie bedeutend die Bautätig- 
keit in den Jahren vor 1907 gewachsen ist. Das Jahresmaximum fällt 
in das Jahr vor dem Krisenjahr 1907. In der darauf folgenden De- 
pression ist die Bautätigkeit schnell zurückgegangen. Die Baukosten 
gehen in einem einzigen Jahre um 80 Millionen Dollars zurück, d. h. 
um 12,4% desjenigen Betrags, der im Jahre 1907 erreicht war. 
Im nächsten Jahre, 1909, wo wieder ein ebenso plötzlicher wie 
kurzer wirtschaftlicher Aufschwung in den Vereinigten Staaten statt- 
fand, stieg aber der Betrag der Baukosten um nicht weniger als 106 Mil- 
lionen Dollars. Die beiden folgenden Jahre brachten einen starken 
Rückgang. Ein neues Maximum wurde aber 1912 erreicht, also wieder 
im Jahre vor dem neuen Wendejahre der Konjunktur 1913. Die Auf- 
gangsperiode ist also gekennzeichnet durch eine steigende, die De- 
pression durch eine sinkende Bautätigkeit. Das Maximum dieser Pro- 
duktion wird etwas vor dem Ende der Hochkonjunktur erreicht. 
Eine ähnliche Einwirkung der Konjunkturen auf die Bautätigkeit 
kann auch für Deutschland gespürt werden. Der Denkschriftenband 
zur Reichsfinanzreform von 1908 gibt eine Statistik der ver- 
ı) Statistical Abstract of the United States.
	        
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