Zweiter Abschnitt.
Die Kriegszeit von 1793—1802.
Erster Teil.
Glänzender Aufschwung des britischen, Niedergang des
ausländischen Kolonialhandels.
Niemand konnte damals ahnen, wie nahe ein Ausweg aus
den Schwierigkeiten, welche die Abolition bot, bevorstand.
Der 1793 ausbrechende Krieg zwischen England und Frank
reich, dessen erbittertste Kämpfe sich in Westindien abspielten,
gab die Gelegenheit dazu. Er hat die verwickelte Abolitions
frage, die auf friedliche Weise wohl noch lange nicht gelöst
worden wäre, durch Gewalt entschieden. Freilich nicht ohne
weiteres. Erst das mittlere Drittel dieses 22jährigen Krieges
brachte die Entscheidung, während anfangs der Sklavenhandel
zum letztenmal einen grofsen Aufschwung nahm, und es den
Anschein hatte, als sollte die Abolition für immer nur ein
frommer Wunsch bleiben.
Diesen letztmaligen Aufschwung seines Sklavenhandels von
1795—1802 hatte England dem allgemeinen Aufblühen seines
Kolonialhandels und letzteres wieder seinen glänzenden mili
tärischen Erfolgen zur See zu verdanken. Wohl nirgends
besser als hier läfst sich der durchgehende Parallelismus des
Neger- und des allgemeinen westindischen Kolonialhandels
zeigen. Beide stiegen und fielen miteinander. Vielleicht nie
mals hätte Großbritannien mit der Abolition Ernst gemacht,
wenn es ihm gelungen wäre, das von 1795—1799 vorüber
gehend zurückgewonnene Kolonialhandelsmonopol dauernd zu
behaupten. —
Dafs der gewaltige Entscheidungskampf zwischen Eng
land und Frankreich in wirtschaftlichen Gegensätzen eine starke,
vielleicht die stärkste Wurzel gehabt hat, dürfte heute nicht
mehr bestritten werden. Nicht die Entrüstung über die „un
moralische“ Revolution, auch nicht die Absicht, das entthronte
französische Königtum wieder einzusetzen, trieben England in
den Krieg, sondern in Wahrheit die Furcht, seinen Welthandel
zu verlieren, der durch die Unabhängigkeit Nordamerikas seinen
tödlichen Schlag bekommen hatte (Kiefselbach, S. 48 ff.). Die
französische Revolution bedeutete vom wirtschaftlichen Stand
punkt aus den Sieg des mobilen Kapitals über das immobile,
d. h. den Sieg der Interessen des Gewerbe- und Kaufmanns
standes über den feudalen Grundadel und die Geistlichkeit
(Kiefselbach, S. 45). Frankreich hatte 1789 die Grenzen eines
vorwiegenden Agrarstaates überschritten und war, wie Eng
land, in die Bahnen eines Welthandelsstaates eingetreten. Dieser