Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

ist  mit  ihr  in  einer  Reihe  von  Artikel»  eine  starke  Vorzugsstellnng
  eingeräumt  worden,  welche  den  hiesigen  Export  zwang,
dieselben  dort  erstellen  zn  lassen.  Bei  der  Fortdauer  dieser
Klassifikation  müsse  man  allen  Ernstes  damit  rechnen,  daß  ein
Theil  der  Kaufmannschaft  nach  Sachsen  übersiedle."  Diese
Ansicht  wurde  von  allen  Anwesenden  getheilt  nnd  einstimmig
beschlossen,  sofortige  Aufhebung  der  bestehenden  Klassifikation
zu  verlangen.  Weniger  einig  war  man  im  Anfange  darüber,
ob  man  nun  überhaupt  jede  Klassifikation  aufheben  wolle
oder  ob  eine  veränderte  fortbestehen  solle.  Im  Jnitiativkomite
der  Versammlung  waren  die  Ansichten  getheilt;  5  Mitglieder
waren  für  Aufhebung  jeder  Klassifikation,  11  dagegen.  Man
erwartete  einen  heftigen  Kampf  hierüber,  denn  wenn  je  die
Zeit  für  einen  erfolgreichen  Vorstoß  gegen  die  Zuschläge  gekommen ­
  war,  so  war  sie  jetzt  da.  Merkwürdigerweise  hatte  es
mit  einigen  blinden  Schüssen  der  Gegner  sein  Bewenden.  Selbst
frühere,  hartnäckige  Gegner  traten  kräftig  für  Beibehaltung
einer  erträglichen  Klassifikation  ein,  einzelne  zwar  mit  der
ausdrücklichen  Einschränkung,  daß  sie  die  Klassifikation  nach
loie  vor  als  eher  schädliches  Institut  betrachten,  aber  de»
Arbeitnehmern  soweit  entgegenkommen  wollten  als  irgend
möglich.  Die  Gründe,  welche  dafür  geltend  gemacht  wurden,
waren  zum  Theil  die  alten.  Man  sagte  wiederum,  daß  die
Mnsterverschlechterung  den  Minimallohn  für  eine  große  Anzahl ­
  Sticker  illusorisch  gemacht  habe,  während  er  seinen  großen
Werth  —  die  sichere  Kalknlationsbasis  —  für  den  Kaufmann
beibehielt  und  daß  man  deshalb  dem  Arbeiter  auf  dem  Wege
des  Zuschlages  das  Existcnzmiuimum  sichern  müsse,  welches
ihm  der  Minimallohn  gewähren  sollte.  Im  Weiteren  wurde
bemerkt:  „Falls  die  Arbeitgeber  nicht  so  weit  entgegenkommen,
verließen  die  Arbeitnehmer  de»  Verband  und  gründeten  einen
eigenen  Verband.  Dann  würde  der  Lohnkampf  in  jener  gehässige» ­
  Form  des  Krieges  bis  aufs  Messer  auch  in  der
Stickerei  seinen  Einzug  halten,  zum  Schaden  der  Arbeitgeber
            
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