Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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rigem  Zinssatz  zur  Verfügung.  Das  Darlehen  wurde  in  Pfund  genommen
und  mußte  in  Pfund  zurückgezahlt  werden.  Da  es  in  der  Regel  für
längere  Zeit  gegeben  wurde,  spielte  das  Kursrisiko  keine  so  große  Rolle;
dem  Darlehnsnehmer  bot  sich  in  der  langen  Zeit  meist  Gelegenheit  zur
günstigen  Eindeckung.  Als  Sicherheit  wurde  Effektendepot  zugunsten  des
Darlehnsgebers  bei  einer  deutschen  Bank  oder  Bankfirma  gestellt.
Geldgeber  für  Deutschland  in  großen  Summen  war  weiter  Frankreich. ­
  Wechsel-Pensionen  spielten  im  Verkehr  zwischen  deutschen
und  französischen  Banken  eine  große  Rolle.
Eine  Arbitrage  (s.  S.  513  ff.)  im  Prolongatiousgeschäft  fand  früher
häufig  zwischen  Ö  st  e  rr  e  ich  und  Deutschland  statt.  Ein  beliebtes  Spckulationspapier
  Anfang  der  1890er  Jahre  waren  in  diesen  beiden  Ländern
die  Kredit-Aktien.  An  den  österreichischen  Börsen  bestanden  große
Engagements  ä  la  hausse  in  Kredit-Aktien,  in  Deutschland  dagegen  hielt
man  ihren  Kurs  für  zu  hoch  und  verkaufte  sie  in  blanco  sfixte  sie).
So  kam  es,  daß  Kredit-Aktien  in  Deutschland  bei  der  Ultimo-Prolongation ­
  meist  stark  gesucht  waren  (bie  Fixer  benötigten  sie  zur  Ablieferung),
während  sie  in  Österreich  in  großen  Posten  zur  Reportierung  angeboten
wurden.  Die  hierdurch  bedingte  Differenz  in  den  Schiebungssätzen
zwischen  Österreich  und  Deutschland  wurde  von  der  Arbitrage  ausgenutzt: ­
  Der  Arbitrageur  kaufte  Kredit-Aktien  in  Berlin  oder  Breslau
idas  damals  ein  großer  Platz  für  Kredit-Aktien  war)  oder  einer  anderen
deutschen  Börse  und  verkaufte  sie  in  Wien.
Die  Glatt  st  ellung  der  Valuta  erfolgte  in  Wien,  indem  man
dort  Zahlung  Berlin  (Marknoten)  per  Termin  kaufte.  In  der  Schiebung
m  Wien  wurden  Marknoten  hereingegeben  —  was  nur  wenig  Kosten  verursachte ­
  —  und  Kredit-Aktien  hereingenommen,  wobei,  da  Geld  für
Reportzwecke  lebhaft  begehrt  wurde,  der  deutsche  Arbitrageur  eine  sehr
gute  Verzinsung  seines  Geldes  erzielte.  Diese  Aktien  gab  der  Arbitrageur
"un  in  Berlin  oder  Breslau  usw.  herein.  Da  Kredit-Aktien  infolge  der
großen  Baisseengagements  stark  gesucht  waren,  erhielt  er  das  Geld
zu  sehr  niedrigem  Zinsfuß.  Hoher  Report  also  in  Österreich,  niedriger
Report  oder  gar  Deport  in  Deutschland!  Das  Geschäft  war  zeitweise  so
lohnend,  daß  deutsche  Arbitrageure,  lediglich  umdieProlongationsdifserenz
  zu  verdienen,  große  Positionen  aufbauten.  Sie  konnten  es
somit  ertragen,  wenn  auch  die  Arbitrage  als  solche  keinen  Gewinn  abwarf.
            
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