Full text : Kapitalismus und Sozialismus

bietet,  wollten  sie  ihr  aber  aus  guten  Gründen  nicht  bieten,  und
so  kamen  sie  folgerichtig  dazu,  auf  jede  Schilderung  ihres  Gesellschaftsideals ­
  zu  verzichten  und  alles  vertrauensvoll  der  allmächtigen ­
  Entwicklung  zu  überlassen,  die  ganz  von  selbst  den  Zukunftsstaat ­
  schaffen  werde.  Dabei  spielt  freilich  auch  noch  mit,  daß  von  den
Marxisten  überhaupt  viele  im  Kommunismus  stecken  geblieben  sind,
wie  auch  Marx  und  Engels  selbst  nie  mit  Entschiedenheit  den  Schritt
»om  Kommunismus  zum  Kollektivismus  getan  haben.  —
Neben  Kommunismus  und  Kollektivismus  wird  als  dritte  Haupt-Achtung
  des  Sozialismus  gewöhnlich  noch  der  Staatssozialis-Wus
  genannt,  von  Staatssozialismus  zu  sprechen,  ist  allerdings
eigentlich  eine  Tautologie,  denn  Sozialismus  bedeutet  an  sich  schon
Zeitung  des  Wirtschaftslebens  in  mehr  oder  weniger  großem  Umsang ­
  durch  den  Staat.
Trotzdem  mag  der  Ausdruck  hier  beibehalten  werden,  da  er  sich
schon  seit  langem  zur  Bezeichnung  eines  gewissen  Typus  des  Sozialismus ­
  eingebürgert  hat.  wir  verstehen  darunter  die  Verstaatiichung
  einzelner  Produktionszweige  wie  der  Eisenbahnen  und  anberer
  Verkehrsanstalten,  der  Versorgung  des  Wirtschaftslebens  mit
Elektrizität,  einzelner  Zweige  des  Bergbaues  usw.  Im  allgemeinen
aber  wird  die  private  Initiative  und  die  private  Unternehmung
aufrechterhalten,  und  insbesondere  wird  an  der  wirtschaftlichen
belbstverantwortlichkeit  der  einzelnen  nichts  geändert.  Bei  dieser
Art  des  Sozialismus  kommt  alles  auf  das  Maß  an.  Solange  die
Sozialisierung  oder,  wie  man  dafür  neuerdings  vielfach  sagt,  Nationalisierung ­
  nur  einige  wenige  Produktionszweige  erfaßt,  entfernt
sich  der  Sozialismus  nur  wenig  von  der  bestehenden  Wirtschaftsordnung. ­
  In  dem  Maße  dagegen,  wie  die  Sozialisierung  immer  mehr
Zweige  umfaßt,  wird  die  Entfernung  von  der  heutigen  Wirtschaftsordnung ­
  größer  und  größer.  Für  eine  Verstaatlichung  einzelner
Industrien,  etwa  um  dem  Staat  durch  die  Schaffung  von  Finanzwonopolen
  neue  ergiebige  Steuerquellen  zu  erschließen,  oder  auch,
um  in  Industrien,  in  denen  aus  natürlichen  Gründen  die  Konkurrenz
            
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