Full text : Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

Die  Sozialisierung  des  Wettbewerbes.

223

Dritter  Abschnitt.
Die  Sozialisierung  des  Wettbewerbes.
1.  Das  Wesen  der  Sozialisierung.
Gehen  wir  von  der  gegebenen  Verknüpfung  der  einzelnen  Volkswirtschaften ­
  untereinander  aus,  so  ergibt  sich,  daß  der  tatsächliche  Anteil
der  einzelnen  Volkswirtschaft  aus  dem  ungeregelten  Kampfe  unter  den
Mitbewerbern  entspringt.  Jede  einzelne  Volkswirtschaft  sucht  mit  ihren
privaten  und  den  ihr  zur  Verfügung  gestellten  öffentlichen  Machtmitteln ­
  den  größtmöglichen  Anteil  an  der  Weltwirtschaft  zu
erringen,  ohne  sich  bewußt  zu  werden,  daß  die  Erhaltung  der  friedlichen ­
  Zusammenarbeit  aller  auch  im  Interesse  des  einzelnen  Teilhabers ­
  liegt.  Die  Stellung  der  einzelnen  Volkswirtschaft  ist  bisher  durch
die  wirtschaftliche  Macht  und  die  errungenen  individuellen  Bevorrechtungen ­
  gegeben  gewesen.  Wir  haben  bereits  ausgeführt,  daß  diese
ßevorrechtungen  zugunsten  einer  rechtlichen  Gleichheit  abgeschafit  oder
begrenzt  werden  müssen,  soll  nicht  der  Bestand  der  Weltwirtschaft  überhaupt ­
  in  Frage  gestellt  sein.  Dies  wäre  das  Ziel  der  Internationalisierung ­
  des  Wettbewerbes.
■  Aber  diese  formale  Gleichheit  wäre  noch  keineswegs  mit  der  materiellen ­
  Gleichheit  verbunden.  Die  rechtliche  Freiheit  und  Gleichheit  des
Wettbewerbes  würde  es  immer  noch  zulassen,  daß  eine  einzelne  Volkswirtschaft ­
  infolge  ihrer  überlegenen  wirtschaftlichen  Machtmittel  den
Vorrang  vor  den  anderen  erringt.  Damit  ist  die  Möglichkeit  einer  Unterjochung ­
  der  einen  Volkswirtschaft  durch  die  andere  und  der  offene
oder  verschleierte  Wirtschaftskampf  gegeben;  infolge  der  wechselseitigen
Verflechtung  leiden  aber  alle  Wirtschaften  an  dem  Kampfe  mehrerer  von
ihnen.  Bisher  hat  das  Kapital,  insbesondere  in  seinen  Erscheinungsformen ­
  des  Großgrundbesitzes,  der  Schwerindustrie  und  der  Hochfinanz,
den  internationalen  Wirtschaftskampf  beherrscht;  der  einzelne  Staat  hat
seine  Machtmittel  diesen  Trägern  des  wirtschaftlichen  Imperialismus  zur
Verfügung  “gestellt.  Die  Betätigung  der  wirtschaftlichen  Expansion  in
der  bisher  üblichen,  gewalttätigen  Form  hat  nicht  nur  zu  periodischen
Wirtschaftskrisen,  sondern  auch  schließlich  zum  Wirtschaftskriege  geführt. ­
  Die  Zusammenhänge  zwischen  der  nationalen  Wirtschaftspolitik
und  dem  Weltfrieden  sind  noch  viel  zu  wenig  erkannt.  Es  muß  erst  die
Erkenntnis  durchdringen,  daß  der  wirtschaftliche  Imperialismus  einen
überaus  wichtigen  Teil  der  auswärtigen  Politik  überhaupt  bildet  und  eine
ständige  Friedensgefahr  darstellt.  Die  erforderlichen  Einschränkungen’der
nationalen  Ausdehnung  können  nicht  auf  dem  Wege  der  Gewalt,  sondern
nur  auf  dem  der  Vereinbarung  erfolgen.  Die  Abhilfe  gegen  die  Anarchie
in  den  wirtschaftlichen  Beziehungen  der  Staaten  liegt  nicht  in  den  über ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.