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und die Hinausschiebung der Befestigungen an die Weichsel und ihre
rechten Zuflüsse, die obendrein durch weite Sumpfländer, die der Trockenlegung
und durch unwirtschaftliche Wälder, die der Rodung entzogen
werden, verstärkt werden. Die Verteidigungstaktik verlangt aber auch,
um dem Gegner den Vormarsch nicht zu erleichtern, ein Hintanhalten
des Ausbaues des Verkehrsnetzes auf der linken, einen planmäßigen
Ausbau auf der rechten Seite. Hier deutet ein verhältnismäßig enges
Netz von Längs- und Querbahnen, das auch die Verbindung der Festungsplätze
unter sich ermöglicht, auf die Wichtigkeit des Festungskriegsschauplatzes
hin. In beiden Teilen aber fehlen noch Wege, deren Mangel
durch die Behörden teilweise systematisch aufrecht erhalten wird. Hat
man doch in manchen Gegenden aus politischen und strategischen
Gründen vorhandene Straßen sogar absichtlich eingehen lassen 1 ).
Polen war nun mal nach behördlicher Auffassung das Glacis des russischen
Reiches. Und wie mit den Straßen und Eisenbahnen, so stand es mit den
Wasserstraßen. Auch hier sprach das Moment mit, im Kriegsfälle dem
eindringenden Gegner den Vorteil eines schiffbaren, leistungsfähigen
Stromes, wie ihn die Weichsel bei Vertiefung der Wasserrinne naturgemäß
abgeben könnte, zu versagen. Wie die Ufergestaltung des Stromes
namentlich zwischen Iwangorod und Warschau starke, dicht bewachsene
Böschungen aufweist, die, im ursprünglichen Zustand belassen, den Anmarsch
und den militärischen Brückenbau erschweren, so wurden auch
sonst Meliorationsarbeiten vermieden, um die strategischen Vorteile
den Russen zu erhalten. Alles freilich Momente, die in einem modernen
Krieg den Vormarsch eines hervorragend geschulten und ausgerüsteten
Gegners doch nicht aufhalten können.
Die militärpolitischen Mutmaßungen faßte Stavenhagen (1898)
dahin zusammen, daß es Rußland kaum gelingen dürfte, selbst an der
Seite Frankreichs eine strategische Offensive gegen Deutschland und
Österreich-Ungarn zugleich zu unternehmen. Derartige Ansichten
wurden durch einen Teil der russischen Öffentlichkeit gestützt, der
sich sogar zeitweise überhaupt für die Aufgabe der Festungen im Weichselgebiet
aussprach. Man verteidigte schon vor Jahren in russischen
Militärkreisen die Linie Kowno—Grodno—Bjelostok—Brest als normale
Aufstellungs- und „Grundlinie“ der russischen Kriegstaktik. Tatsächlich
wurde ja auch im Jahre 1909 nach den Vorschlägen Suchomlinows
') Damit vergleiche man, daß die deutschen Heere auf zahlreichen, mitten
im Vormarsch neugebauten Straßen, z. B. in Richtung auf Iwangorod, den Nachschub
von Nahrungsmitteln, also auf recht leistungsfähigen Wegen, besorgten.
Selbst der „Rjetsch“, der freilich entsprechend seiner politischen Stellung sich
ein freieres Urteil erlauben kann als die „Nowoje Wremja“, bewunderte im September
1915 die Tatkraft der Deutschen bei der Instandsetzung von Wegen durch
unwirtsame Sümpfe, namentlich beim Vordringen in die Poljesje. — Über die
russische Straßenpolitik vgl. unten S. 67—69.