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II. HAUPTTEIL.
Stände wird dadurch, nichts geändert, und es ist wieder
eine Frage für sich, ob wir an einen Wiederaufbau denken
können, wenn wir unsere Arbeitskräfte nicht voll aus
nutzen. Die Annehmlichkeit, die der Einzelne vom Acht
stundentag hat, der Vorteil, den der Beamte dadurch besitzt,
daß der Staat ihm gegenüber seine Verpflichtungen nicht
lösen kann, auch wenn er seine Arbeitskraft nicht mehr
braucht, werden an dem Tage wertlos sein, an dem durch
solche Schäden unsere Wirtschaft völlig zusammenbricht.
Das wahre Gleichgwicht zwischen den verschiedenen Be
rufen muß wieder hergestellt, der Unterbau unserer Wirt
schaft erweitert, und die Arbeit, der Beruf zur Pflicht der
Gemeinschaft gegenüber werden.
Nicht die Industrie allein, auch die geistigen Berufe
und die Beamtenschaft sowie der Handelsstand leiden an
Überfüllung. In unserem Staat, der auf der Freiheit des
Individuums aufgebaut ist, in unserer Wirtschaft, die sich
auf das Prinzip der freien Konkurrenz gründet, ist es
nicht möglich, wie im Idealstaat Fichtes, in seinem ge
schlossenen Handelsstaat, zwangsweise die verschiedenen
Berufsgruppen ins Gleichgewicht zu bringen. Die Not muß
bei uns diesen Zwang ausüben. Und solche Not hat bereits
eingesetzt.
Vorurteile und Schwerfälligkeit behindern in vielen
Fällen den Berufswechsel. Dagegen müssen wir kämpfen,
damit die Einsicht nicht zu spät kommt. Wer ins Kohlen
bergwerk, wer in die Landwirtschaft geht, stärkt unsere
Wirtschaft. Selbstverständlich kann nicht Jeder Beamte
und jeder Arbeiter von heute auf morgen Landwirt werden,
wie Dr. Stolt, der Geschäftsführer der Gesellschaft zur
Förderung der inneren Kolonisation, immer wieder betont 1 ).
Aber wenn alle diejenigen, die mit der Landwirtschaft ver
traut sind, zu ihr zurückkehren, dürfte für die übrigen Platz
in den anderen Berufen geschaffen werden. Über 400000
Menschen zogen im Frieden jährlich vom Lande in die
1) Vortrag auf der Halbjahr Versammlung des Vereins für länd
liche Wohlfahrtspflege 1920.