Object: Der deutsche Zollverein

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glieder des Vereins — das waren im wesentlichen die Hauptgrund- 
züge des von Nebenius ausgearbeiteten Vorschlags^ 
Man erkennt unschwer die bedenklichen Schwächen dieses Ent 
wurfs. Die geplante Mautkommission griff tief ein in die ängstlich 
gewahrten Souveränitätsrechte der einzelnen Staaten, während 
wiederum das uneingeschränkte Kontrollrecht der Einzelregierungen 
die Quelle unendlicher und nutzloser Scherereien und Auängeleien 
werden mußte, hierzu sahen sich durch das Prinzip der einfachen 
Majorität bei den Abstimmungen die größeren Staaten der Gefahr 
ausgesetzt, gelegentlich und vielleicht gerade in den für sie wichtig 
sten Punkten von den kleinen Staaten majorisiert zu werden. Es 
ergab sich dazu noch ein prinzipieller Gegensatz zwischen Baden und 
Bayern. Dieses verlangte im Interesse seiner sich schon damals in 
Nürnberg und Augsburg entfaltenden Industrie einen prohibitiven 
Eharakter der gemeinsamen Zollgesetzgebung, während Nebenius 
ziemlich scharf im Namen seiner Regierung erklärte, daß diese sich 
niemals mit einem Systeme einverstanden erklären werde, welches 
das Interesse des Ackerbaus der künstlichen Pflege der Manufakturen 
und Fabriken opfere, durch Ausfuhrverbote oder hohe Auflagen die 
Verarbeitung roher Stoffe im Lande erzwingen wolle und den Preis 
der notwendigen Lebensbedürfnisse und folglich den Arbeitslohn 
niedrig zu halten suche. Sie stimme daher für größere Ausdehnung 
der Zollbefreiung auf alle hierfür in Frage kommenden Artikel. 
Es widersprach diesem. Standpunkte nicht, wenn Bayern den 
Antrag stellte, zunächst vor allem alles dasjenige zur Beratung zu 
nehmen, was den freien Verkehr der Lebensrnittel betreffe; darüber 
solle man sich nicht nur hier in Darmstadt einigen, sondern auch 
ähnliche Anregungen am Bundestag geben. Nebenius ging nun 
zwar auf Bayerns Vorschlag ein und legte im Januar 1821 einen 
Vertragsentwurf für den gegenseitigen Verkehr mit Nahrungs 
mitteln vor, aber andererseits intriguierte er, gereizt durch Bayerns 
Einwendungen wider seinen oben erwähnten Verfassungsentwurf, 
gegen dieses, indem er das Mißtrauen der kleineren Staaten gegen 
den Großstaat wach rief. Bald beschuldigte man Bayern ganz offen,
	        
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