Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Der  Unternehmer  und  Betriebsführer.

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Unternehmertyps:  Industriekaufmann  gibt,  braucht  nicht  besonders  betont  zu
werden.  Erwähnt  sei  lediglich  noch,  daß  Erfinder  nicht  zugleich  auch  gute  Unternehmer ­
  zu  sein  brauchen,  während  es  nicht  an  Beispielen  dafür  mangelt,  daß
Kaufleute  und  Techniker  es  verstanden  haben,  die  Ergebnisse  der  Erfindungen
anderer  über  den  Weg  ihrer  Unternehmungen  der  Allgemeinheit  zugänglich  zu
machen.
Der  Bankfachmann  endlich,  der  alle  Möglichkeiten  und  Formen  des  Kapitals
kennt,  ihre  Vorzüge  und  Nachteile  für  dieses  oder  jenes  Gebiet  der  Wirtschaft
übersieht  und  die  Erfordernisse  der  einzelnen  Wirtschaftszweige  durch  die  Wahl
der  geeigneten  Gesellschaftsform  mit  den  Gegebenheiten  des  Kapitalmarktes  in
Verbindung  bringt,  dieser  Bankkaufmann  weiß  oft  nur  wenig  von  den  eigentlichen
Grundlagen  technisch-kaufmännischer  Arbeit:  der  Erzeugung  und  dem  Verkauf.
Aber  er  hat  ein  Gefühl  für  die  wirtschaftlichen  Möglichkeiten,  er  besitzt  Weitblick
genug,  um  zu  erkennen,  was  aussichtsreich  und  was  wenig  erfolgversprechend  ist.
Er  wägt  die  technischen  und  kaufmännischen  Aussichten  ab  und  prüft  sie  im
Hinblick  auf  das  erforderliche  Kapital  und  dessen  Gewinnmöglichkeit.  Beschaffung ­
  und  Zusammenfügung  von  Kapital,  Unternehmungs-  und  Konzerngründungen, ­
  Fusionen,  Sanierungen  u.  a.  sind  seine  Tätigkeit;  genaue  Kenntnis  und  Einfühlung ­
  in  die  Vorgänge  an  den  Märkten  für  Kapital,  den  Börsen,  ist  gepaart  mit
dem  Sinn  für  gute  und  finanztechnisch  richtige  Zusammenbringung  der  einzelnen
Kapitalistengruppen,  die  er  —  oft  ohne  selbst  Kapital  zu  besitzen  —  zusammenbringt ­
  und  so  erst  die  Ausbeute  eines  fruchtbaren  Gedankens  in  die  Wege  leitet.
Neben  dem  Bankier  steht  noch  der  Typ  des  Finanziers,  der  sich  mit  Finanzierungen ­
  aller  Art  beschäftigt:  Beschaffung  von  Kapital  und  Krediten  (über  den
Bankier),  Aufkauf  von  Aktien,  Schaffung  von  Beteiligungen,  Bildung  von  Konzernen ­
  und  Trusts  oder  auch  Handel  mit  Aktienpaketen,  Mehrheitsbeteiligungen
und  Konzemmehrheiten.  Dieser  Finanzier  kann  aus  dem  Bankenbereich  stammen,
früher  selbst  Bankier  gewesen  sein  oder  sich  jetzt  noch  so  nennen;  es  kann  aber
auch  sein,  daß  ein  (Waren-)Kaufmann  oder  ein  Industriekaufmann  in  dieses  Gebiet ­
  vorgedrungen  ist  und  hier  mit  beträchtlichem  Kapital  tätig  wird.  Die  vielen
Fehlschläge  (Stinneskonzern,  Michael)  lehren,  daß  die  hochgesteckten  und  weit
ausgreifenden  Ziele  nicht  erreicht  worden  sind  insbesondere  dort,  wo  die  Händlerund
  Bankier-Finanziers  die  betrieblichen  (und  technischen)  Grundlagen  und  Zusammenhänge ­
  mißachtet  haben.
Eine  viel  erörterte  Frage  (die  hier  angesohlossen  werden  soll,  obwohl  sie  ebensogut  unter  C
behandelt  werden  könnte)  ist:  wem  die  Führung  industrieller  Betriebe  anvertraut  werden  soll:
dem  Kaufmann  oder  Techniker  ?
In  kleinen  Betrieben  mit  örtlichem  Absatz  ist  der  Unternehmer  meist  Techniker  und
Kaufmann  zugleich.  Er  stellt  die  Güter  —  unter  Mitwirkung  von  einigen  Arbeitskräften  —
selbst  her,  und  ebenso  besorgt  er  selbst  den  Absatz  an  einen  Stamm  von  Kunden,  dessen  Kreis
er  wenig  geneigt  ist  zu  vergrößern,  weil  sonst  der  Betrieb  zu  „kompliziert“  würde.  Seine
Buchführung  besteht  in  der  gelegentlichen  Aufzeichnung  von  Geschäftevorfällen  in  einem
Taschennotizbuch.  Je  größer  aber  der  Betrieb  wird,  je  mehr  Güter  hergestellt  und  abgesetzt
werden,  desto  mehr  macht  sich  das  Bedürfnis  geltend,  eine  Scheidung  von  anordnender  und
von  ausführender  Arbeit  durohzuführen.  Für  die  Erledigung  der  kaufmännischen  Arbeit
werden  Hilfskräfte,  der  Buchhalter,  der  Kassierer,  der  Korrespondent,  der  Lagervqrwalter
angestellt  und  ebenso  wird  die  technische  Arbeit  auf  Arbeiter,  Meister,  Ingenieur  oder  Chemiker ­
  verteilt.  Hierbei  ist  es  aber  immer  noch  möglich,  daß  der  Fabrikant,  der  aus  der  Technik ­
  hervorgegangen  ist,  in  seiner  Person  die  Fäden  der  technischen  und  kaufmännischen  Leitung ­
  vereinigt,  oder  wie  man  gern  sagt,  den  ganzen  Betrieb  im  Kopf  hat.  Das  setzt  freilich
Kenntnisse  beider  Gebiete,  des  kaufmännischen  wie  des  technischen,  voraus:  aus  dem  Techniker ­
  ist  ein  industrieller  Unternehmer  geworden,  der  aber  noch  mitten  im  Betriebe  steht,  alle
Einzelheiten  übersieht,  selbst  alle  Anordnungen  trifft  und  das  Ganze  überwacht.  Man  findet
solcherart  geleitete  Betriebe  besonders  dort,  wo  sich  ein  kleines  Unternehmen  in  der  Hand
eines  tüchtigen  Mannes  langsam  zu  einem  großen  Betrieb  entwickelt,  wo  der  Inhaber  die  Entwicklung ­
  in  allen  Teilen  des  Betriebes  selbst  mitgemacht  hat  und  alle  Winkel  desselben  aus
Prion,  Die  Lehre  vom  Wirtachaftsbetrieb.  III.  4
            
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