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Während man in Italien den Reis vor dem Dreschen nur ganz
kurze Zeit auf dem Felde liegen läßt, weil er nachträglich noch
einmal getrocknet wird, werden in Kalifornien und den Golf-
staaten die Garben sorgfältig in Stiegen gesetzt und je nach der
Witterung 10—14 Tage oder länger draußen gelassen. Dabei
droht Gefahr nicht nur durch Regen, sondern, besonders in
Kalifornien, auch durch die Sonne, die das Sog. „sun-cracking‘‘
veranlaßt, d.h. ein feines kreuzweises Bersten der Oberfläche
des Korns, das besonders viel Bruch beim Mahlen zur Folge hat.
Frühreifer Reis leidet mehr als später.
Auf Java wird der dem eignen Gebrauch der Eingeborenen
dienende Reis nicht sofort nach der Ernte gedroschen; die
Rispenbüschel werden in die Reisscheuern gehängt und je nach
Bedarf daraus entnommen. Das Dreschen und das Ents pelzen
der Körner wird durch einen und denselben Prozeß besorgt,
nämlich durch Stampfen in dem sog. Reisblock. Diese älteste
Methode der Menschheit, Körnerfrüchte von den Halmen zu
lösen, sie von den Spelzen zu befreien und zu zerkleinern, ist
heute noch sehr weit verbreitet, und nicht nur in Gebieten der
Halbkultur, sondern auch noch in Litauen und in der Schweiz.
Obwohl der Javaner, wenn irgend möglich, das Enthülsen des
Reises im eigenen Haushalte vornimmt, gibt es in Java doch
auch kleine Reismühlen, die alle in den Händen von Chinesen
sind, welche den größten Teil des Kleinhandels dort beherrschen.
Diese Mühlen sind von recht primitiver Bauart und Arbeits-
weise. In andern Gegenden des asiatischen Reisbaugebietes
wird auf harten Erdtennen durch trampelnde Tiere oder Men-
schen oder durch Schlagen mit Stöcken gedroschen.
In den fortgeschrittenen Großbetrieben der Reiskultur sind die
alten Dreschmethoden des Flegelns und Austretens der Anwendung
moderner Dampfdreschmaschinen, sog. Separatoren, gewichen;
diese geben erheblich weniger Bruchkörner. In Louisiana und
Kalifornien benutzt man ähnliche Maschinen wie zum Dreschen
des Weizens. Wenn nicht rechtzeitig eine Dreschmaschine zur
Verfügung steht oder schlechtes Wetter eintritt, wird der ge-
mähte Reis in Louisiana zu großen Haufen zusammengefahren.