Full text : Der Zucker im Kriege

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11.  April  1915  wurden  für  die  zuckerhaltigen  Futterniittel  Höchstpreise ­
  festgesetzt,  die  ganze  Bewirtschaftung  einheitlich  geregelt  und
der  Bezugsvereinigung  Deutscher  Landwirte  übertragen.
1)  Verminderung  der  Anbaufläche.  Die  Getreidebestandsaufnahme ­
  vom  Herbst  1914  hatte  ergeben,  daß  die  aus  der
Ernte  1914  verfügbaren  Getreidebestände  ohne  starke  Einschränkung
des  Verbrauches  den  Bedarf  des  deutschen  Volkes  und  Heeres  bis  zur
neuen  Ernte  nicht  zu  decken  imstande  seien.  Die  Folgen  dieser  Erkenntnis ­
  waren  einerseits  die  gesetzliche  Regelung  des  Verkehrs  mit
Brotgetreide  und  Mehl  und  stark  in  den  Mehl-  und  Brotverbrauch
der  Bevölkerung  einschneidende  Maßnahmen,  andererseits  glaubte  man
aus  dieser  Festlegung  die  Forderung  nach  einer  Vermehrung  der
Getreideanbaufläche  erheben  zu  sollen.  Hier  haben  gerade  in  dieser
Zeit  die  immer  und  immer  aufs  neue  sich  wiederholenden  Klagen  über
den  Mangel  an  Absatzmöglichkeit  von  Zucker  die  Veranlassung  zu  dem
Gedanken  gegeben,  durch  eine  Einschränkung  des  Zuckerrübenanbaues
sowohl  die  Klagen  über  den  bestehenden  Zuckerüberfluß  zu  bebeben,  wie
auch  durch  Bebauung  eines  Teils  der  bisher  mit  Zuckerrüben  bestellten
Fläche  mit  Getreide  die  Getreideerzeugung  zu  steigern.  Dabei  wurde
vor  allem  darauf  hingewiesen,  daß  die  Zuckerrübenflächen  zumeist
derartig  in  Kultur  ständen,  daß  aus  ihnen  die  meisten  anderen  Früchte
ohne  besondere  Bearbeitung  des  Bodens  mit  Erfolg  angebaut  werden
könnten  und  ein  unvermittelter  Wechsel  in  der  Fruchtfolge  sich  hier  am
ehesten  durchführen  lasse.  Die  Bestrebungen  auf  eine  Verminderung
der  Zuckerrüben-Anbaufläche  riefen  in  der  Öffentlichkeit  lebhafte  Erörterungen ­
  hervor.
Gegen  eine  Verminderung  der  Zuckerrüben-Anbaufläche  sprach
vor  allem  die  hohe  Bedeutung  der  Zuckerrübe  für  die  ganze  Ernährungswirtschaft, ­
  die  im  ersten  Teil  des  vorliegenden  Heftes  eingehende ­
  Erwähnung  gesunden  hat.  In  der  Schrift  über  die  deutsche
Volksernährung  und  den  englischen  Aushungerungsplan  haben  Eltzbacher
  und  andere  gegen  jede  Einschränkung  der  Hackfruchtfläche
zugunsten  des  Getreideanbaues  Verwahrung  eingelegt.  Dagegen
erklärte  der  Preußische  Landwirtschaftsminister  in  seinem  Erlasse  vom
4.  Dezember  1914*)  folgendes:
„An  Zucker  wird  bis  zum  Beginn  der  nächsten  Betriebszeit  ein
großer  Bestand  verbleiben,  falls  er  nicht  zur  Volksernährung  und
Viehfütterung  herangezogen  werden  muß.  Aber  auch  wenn  dies  der
Fall  ist,  wird  das  Erzeugnis  der  nächsten  Betriebszeit  zur  Befriedigung ­
  des  inländischen  Bedarfs  auch  dann  ausreichen,  wenn  nur
*j  Siehe  Brukner,  a.  a.,O.  S.  29.
            
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