Full text : Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

preise,  errechnet  werden.  Es  fehlte  jeder  sichere  Anhaltspunkt  über
die  Höhe  des  zu  berücksichtigenden  Gewichtsunterschiedes  zwischen
Markt-  und  Stallgewicht,  der  Händlerspesen  bis  zum  Marktverkauf,
des  Händlergewinncs,  also  über  jene  Faktoren,  die  für  die  zuverlässige
Stallpreisermittlung  von  Bedeutung  gewesen  wären.
Auch  die  Statistik  der  Kleinhandelsfleischpreise  war  vielfach
unzuverlässig  und  gab  keine  sichere  Grundlage  zur  Vergleichung  der
Preise.  Die  Preiserhebung  und  Preisnotierung  wurde  im  Reichsgebiete
nicht  durchweg  nach  einheitlichen  Grundsätzen  und  oft  wohl  auch  nicht
mit  der  nötigen  Sorgfalt  und  Genauigkeit  durchgeführt.  Das  Erhebungsverfahren
  wechselte  nranchmal  am  gleichen  Berichtsorte  mit
jedem  Wechsel  in  den  Personen,  die  die  Preise  erhoben  oder  Auskunft
über  die  Preise  gaben.  Vielfach  wurden  die  Preise  auch  nur  geschätzt
oder  auf  Grund  von  Stichproben  mitgeteilt.  Die  mitgeteilten  Zahlen
ermangelten  aber  in  solchen  Fällen  der  Glaubwürdigkeit  und  damit
der  Vergleichbarkeit.
Dazu  kam,  daß  die  Fleischer  ans  Wettbewerbsrücksichten  einer
Erhöhung  der  Viehpreise  nicht  immer  sofort  einen  Aufschlag  auf  die
Fleischpreise  folgen  ließen,  anderseits  aber,  um  den  aus  diesem
Vorgehen  eingetretenen  Geldverlust  auszugleichen,  nach  einer  Viehpreissenkung ­
  längere  Zeit  bis  zur  Herabsetzung  der  Kleinverkaufspreise
des  Fleisches  verstreichen  ließen.  Sodann  war  cs  ein  viel  geübter
Brauch  der  Fleischer,  den  Preis  nicht  für  jede  Viehgattung  zu  berechnen, ­
  sondern  Ausgleichspreise  festzusetzen,  die  auch  der  teueren
Ware  einen  raschen  Absatz  sicherten.  Dieser  Geschäftsbrauch  konnte
in  Friedenszeiten  zur  Verhütung  erheblichen  Schwundes  und  raschen
Verderbs  der  Ware,  besonders  zur  heißen  Jahreszeit,  begründet  sein.
Die  genannten  Umstände  bewirkten  eine  derartige  Verschiebung  im
Preisverhältnis  des  Lebendviehs  zum  Fleisch,  daß  sich  für  den
Außenstehenden  ein  geordneter  Zusammenhang  vielfach  nicht  inehr
erkennen  ließ.
überdies  wirkt  bei  der  Schlachtvieh-  und  Fleisch-Preisbildung,
wie  schon  angedeutet  wurde  und  worauf  noch  zurückzukommen  sein
wird,  auf  dem  Wege,  den  die  Ware  vom  Erzeuger  bis  zum  Kleinhändler ­
  nimmt,  eine  Anzahl  von  schwankenden  Einflüssen  mit,  die  je
nach  den  örtlichen  und  zeitlichen  Verhälnissen  zu  einer  zunächst  unerklärlichen, ­
  bald  größeren,  bald  kleineren  Spannung  zwischen  Bichunb
  Fleischpreis  führen.  Unter  andcreni  sind  für  die  Höhe  des
Flcischpreises  auch  maßgebend  die  Geschäftslage  und  die  ganze
Lebenshaltung  an  einem  Berichtsorte,  sowie  die  mit  ihr  teilweise  zu-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.