Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Recklinghausen telephonisch unterbreitet. Auch haben wir uns 
an diesem Tage telegraphisch an das Königliche Oberpräsidium 
der Provinz Westfalen gewandt. Ob inzwischen eine Aenderung 
eingetreten ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. 
3. Gültigkeit der Brotkarten. Die Bergleute wohnen natur 
gemäß nicht immer in den Kreisen, wo sie arbeiten. Die Folge 
ist, daß z. B. Bergleute, die in Bochum wohnen und auf der Zeche 
Hannibal in Eickel arbeiten, ihre Zusatzbrotkarten, die für den 
Landkreis Gelsenkirchen lauten, hier in Bochum nicht los werden 
können. Sie sind gezwungen, das Brot oder Mehl aus dem 
Kreise Gelsenkirchen zu holen. Ist es schon an und für sich unter 
den heutigen Verhältnissen beschwerlich, die Lebensmittel einzu 
holen, so werden durch diese Nichtgültigkeit der Brotkarten in 
anderen Kreisen den Arbeiterfrauen noch mehr unnötige Wege 
gemacht. Hier könnte doch sehr gut dadurch Abhilfe geschaffen 
werden, daß entweder die Bäckereien und Brothandlungen ange 
wiesen werden, sämtliche Brotkarten einzulösen, oder es müßte 
eine Einheitskarte eingeführt werden. Der jetzige Zustand ist 
jedenfalls unhaltbar und kann nicht zur Beruhigung der Be 
völkerung dienen. 
4. Wer ist Schwerarbeiter und erhält die Zusatzmengen? 
Ueber diesen Punkt sind die meisten Beschwerden eingelaufen. 
Während in allen anderen Kreisen und Städten in Westfalen, wie 
mir auf meine telephonische Anfrage am 24. Juni erklärt wurde, 
sämtliche unterirdischen Bergleute, sowie die Koks- und Feuer 
arbeiter die Zusatzmengen erhielten, wurde mir vom Landrats 
amt Dortmund gesagt, daß die Verfügung laute, daß 40 Prozent 
der Bergleute und 30 Prozent der Feuerarbeiter in Frage kämen. 
Am 2. Juli wurde uns dann von Sodingen im Landkreise Dort 
mund mitgeteilt, daß auf der Zeche Teutoburgia zunächst nur 
die verheirateten Bergleute, die drei Kinder haben, Zusatzkarten 
erhalten hätten. Am 26. Juni sei dieses dahin geändert worden, 
daß allen verheirateten Bergleuten die Zusatzkarten zugewiesen 
wurden. Diese Beschwerden sind anscheinend jetzt auch behoben, 
denn ich habe heute durch telephonische Anfrage festgestellt, daß 
jetzt alle Bergleute berücksichtigt werden. 
o. Ungleiche Verteilung pro Tag und Kopf. Auch zu diesem 
Punkte liegen allerhand Beschwerden vor. So wurde mitgeteilt, 
daß auf den Zechen Germania I/IV, 1I/IIT, Zollern l/II und West 
hansen pro Woche 6 Karten zu je 25,0 Gramm Brot ausgegeben 
würden, dagegen erhalten die Bergleute auf Adolf von Hanse- 
mann nur drei Karten zu je 25,0 Gramm die Woche. Diese Zechen 
liegen alle im Landkreise Dortmund. In den Kreisen Bochum, 
Gelsenkirchen und Recklinghausen, sowie in den Städten Bochum, 
Gelsenkirchen und Herne gibt es wöchentlich 3ff> Pfund Brot als
	        
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