Full text : Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Vorwürfe  wegen  der  Verschleuderung  der  Güter  erhoben,  und  es  war  die  Behauptung ­
  aufgestellt  worden,  daß  man  die  Hälfte  der  ausgetriebenen  Gutsbesitzer ­
  hätte  erhalten  können,  wenn  man  an  Kapital  und  Zinsen  ihnen  das
erlassen  hätte,  was  als  Ausfall  beim  Verkauf  ihrer  Güter  ersetzt  werden
mußte.  Auch  die  Privatgläubiger,  die  setzt  vorschnell  um  das  Ihrige  gebracht
worden  seien,  hätten  zu  einem  Abkommen  bestimmt  werden  können,  da
ihnen  an  der  Erhaltung  des  Schuldners  gelegen  sein  mußte.  —  Stägemann
hat  zwar  die  Übereilung  zugegeben,  ohne  aber  Schöns  berechtigte  Motive
zu  verkennen:  Ein  Arrangement  mit  den  hinter  der  Landschaft  eingetragenen ­
  Privatgläubigern  würde  keineswegs  „eine  radikale  Nemedur  des
Kreditwesens  der  Schuldner  bewirkt  haben,  sondern  nur  in  neue  Verwicklungen ­
  geführt  haben".  Er  erinnerte  daran,  wie  völlig  der  Realkredit  der
bepfandbrieften  Güter  bei  Schöns  Amtsantritt  vernichtet  gewesen  fei 1 ),
und  sieht  in  der  Beseitigung  dieses  Zustands  ein  Hauptverdienst  Schöns.
Tatsächlich  sind  die  massenhaften  Subhastationen  für  Schön  eine
kreditpolitische  Maßregel  gewesen.  Durch  eine  vorübergehende
stärkere  Entwertung  des  Bodens  hat  er  die  Kreditkrisis  überwunden. ­
  Darin,  daß  niemand  mehr  dem  Grundbesitzer  Geld  leihen  wollte,
hatte  er  1823  die  eigentliche  „Giftquelle"  gesehen.  Jetzt  konnte  er  mit  Befriedigung ­
  feststellen:  „Der  Glaube,  daß  die  Güter  Wert  haben,  ist  wieder
erzeugt."
In  jener  Reichstagsverhandlung  vom  Februar  1885  hat  der  Abgeordnete ­
  Dirichlet  Bismarck  entgegnet,  daß  ein  großer  Teil  der  wirtschaftlichen ­
  Fortschritte  der  Provinz  Preußen  zurückzuführen  sei  auf  die  Energie,
mit  der  Schön  darauf  verzichtet  habe,  unhaltbare  und  verlodderte  Wirtschaften ­
  in  diesem  Zustande  zu  belassen.  „Hätte  man  den  Versuch  gemacht,
die  hochverschuldeten  Besitzer  noch  länger  zu  erhalten,  so  hätte  das  allgemeine ­
  Moratorium,  die  Suspendierung  der  Zinszahlung  der  Landschaft
dauernd  aufrecht  erhalten  werden  müssen;  damit  wäre  der  Bodenkredit
völlig  vernichtet  worden,  und  zahllose  Witwen  und  Waisen,  deren  Geld  in
ostpreußischen  Pfandbriefen  angelegt  war,  wären  gezwungen  gewesen,  am
Hungertuch  zu  nagen." 2 )
Wer  Schöns  Verfahren  beurteilen  will,  wird  sich  an  die  Zustände

an  'liv??!'“ 1  “ Iä  Beispiel  die  Bledauschen  Güter  des  Barons  v.  Korff
rat  N  't*  t  C  C  •' ,sl  Löschern  Kriege  der  angesehenste  Landwirt  der  Provinz,  der  Amtsfür ­
  loosinnPacht  von  30000  Tlr.  geboten.  Nach  dem  Kriege  seien  sie
(w.)  gekauft  worden,  und  trotz  des  niedrigen  Erwerbspreises  habe  der
neue  Erwerber  sie  für  70000  Tlr.  der  Landschaft  angeboten.
i  -  ms  nüchterner  wird  von  der  westprcußischen  Landschaft  berichtet,  daß  eine
si.  J  e  ar  Pfandbriefe  in  der  Provinz,  die  andere  außerhalb,  besonders  bei  Berliner
vtuden,  untergebracht  sei.  Statistische  Bemerkungen  v.  19.  Mai  1818.  Danzig  161,  I.
            
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