Full text : Aktive Währungspolitik

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Der  sogenannte  Wert  unö  Sie  Währungspolitik.
In  der  bislang  allgemein  üblichen  Behandlung  der  Währung  wird
das  Verhältnis  des  Geldes  zu  den  Waren  ungenügend  berücksichtigt.  Die
Währungspolitik  beschränkt  sich  auf  Maßnahmen  für  die  Sicherung  der
Goldwährung.  Erscheint  diese  außer  Gefahr,  so  glaubt  man  alles  in  bester
Ordnung.  Dem  Geldwesen  wendet  sich  das  öffentliche  Interesse  immer  nur
dann  zu,  wenn  das  Zusammenschrumpfen  des  Goldbestandes  in  den  Notenbanken ­
  Bedenken  erregt.  Wächst  dieser  Goldbestand  wieder,  so  ist  auch  die
Währung  wieder  für  eine  Weile  vergessen.
Auch  die  Wissenschaft,  für  die  das  Geldwesen  doch  immer  noch  ein
schwarzer  Kontinent  ist  und  wo  darum  für  den  Forscherehrgeiz  so  schöne
Lorbeeren  winken,  behandelt  das  Verhältnis  des  Geldes  zu  den  Waren  ganz
besonders  stiefmütterlich.  Diese  Behandlung  beschränkt  sich  regelmäßig  auf
eine  rein  formale  Beschreibung  und  dann  auch  oft  nur  auf  eine  nebensächliche
Verwendungsart  des  Geldes.  Die  Frage,  wie  das  Geld  beschaffen  sein  muß,
damit  es  seinen  Zweck  auf  vollkommene  Weise,  ohne  Nebenwirkung,  erfüllt,
wird  regelmäßig  umgangen  oder  nur  flüchtig  gestreift.  Typisch  in  dieser  Beziehung ­
  ist  das  Werk  Knapps:  „Staatliche  Theorie  des  Geldes"?)  In
diesem  sonst  so  gediegenen  Buch  wird  das  Verhältnis  des  Geldes  zu  den
Waren  überhaupt  nicht  erwähnt,  das  Geld  nur  einseitig  als  Zahlungsmittel,
also  rein  juristisch  behandelt,-  existierten  keine  Geldschulden,  würde  allgemein
alles  bar  bezahlt,  so  würde  Knapp  jeden  Stützpunkt  für  die  Betrachtung
des  Geldes  verlieren.
Der  Grund  dieser  für  das  Geldwesen  höchst  nachteiligen  öffentlichen  Vernachlässigung ­
  liegt  unseres  Erachtens  in  dem  immer  noch  herrschenden  Wertglauben, ­
  in  der  von  der  Wissenschaft  genährten  Vorstellung,  es  hafte  den
Waren  im  allgemeinen  und  insbesondere  auch  dem  Gelde  eine  eigentümliche,
Wert  zu  nennende  Eigenschaft  an.  Allerdings  eine  „übernatürliche  Eigenschaft", ­
  wie  sie  Marx  nennt,  aber  immer  doch  eine  Eigenschaft.  Die  gesamte ­
  Weltwährungsliteratur,  die  über  die  ganze  Welt  verbreitete  Marx'sche
Theorie  stehen  und  fallen  mit  dieser  Vorstellung.  Von  dieser  Vorstellung
bis  zu  der  Annahme,  das  Geld  und  vornehmlich  das  Gold  besäße  jene
„Wert"  genannte  Eigenschaft  in  ganz  besonders  unerschütterlicher  Form,  ist
nur  ein  Schritt,  da  jener  sogenannte  Wert  zu  den  Eigenschaften  der  Materie
Gold  gerechnet  wird  und  das  Gold  vor  allen  anderen  Körpern  sich  besonderer
Unveränderlichkeit  rühmen  kann.
i)  Leipzig,  Verlag  von  Duncker  u.  Humblot  1905.
            
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