Full text : Aktive Währungspolitik

Privat-  und  volkswirtschaftliche  Bedeutung  der  Preisschwankungen.

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das  Tausch  Verhältnis  des  Geldes  zu  den  Waren,  das  den  Bürger  interessiert.
Das  Gold!  Was  geht  den  Bürger  das  Metall  an?  Es  sind  doch  nicht  alle
Goldschmiede,-  nicht  alle  haben  vor,  den  Erlös  ihrer  Produkte  in  Form  einer
Goldkette  nach  Hause  zu  bringen.  Warum  hat  sich  der  Bürger  für  die  Goldwährung ­
  entschieden?  Doch  nur,  weil  er  mit  der  Goldwährung  1h  mal  weniger
Metall  zu  schleppen  brauchte,  als  mit  der  Silberwährung.  Möglichst  wenig
Metallballast  und  sonst  genau  so  viel  Ware,  wie  man  selbst  für  das  Geld
gegeben  hat  —  das  fordert  der  Bürger.

Solange  die  Banken  Noten  nach  dem  prkvatwirtfchaftlichen  Bedarf  der
.Hausseinteressenten  ausgeben,  steigen  die  preise  aller  freien  Waren.  Doch
nicht  alle  Waren  sind  frei,-  nicht  alle  preise  paffen  sich  den  Marktverhältnisscn
  an.
Die  Briefmarken  z.  B.  machen  die  Hausse  nicht  mit,  weil  ihr  preis
(d.  h.  das  Porto)  durch  Gesetze  geregelt  ist.  Seit  ZO  Jahren  bezahlt  man
10  pfg.  für  einen  Brief,  und  wie  viele  Hochkonjunkturen  haben  wir  feit
30  Jahren  gehabt?  Überhaupt  fast  alles,  was  der  Staat  verschleißt  —
Telegramme,  Frachten,  Justiz,  Religion,  Sicherheit,  Unterricht  usw.  —  muß
den  Emissionsbanken  den  Tanz  versagen.  Tarife,  Steuern,  Zölle  sind  durch
Gesetz  und  Verträge  festgenagelt.
Wie  behilft  sich  nun  der  Staat,  wenn  die  Emissionsbanken  die  Warenpreise ­
  hochtreiben?
Der  Staat  erhält  das  gleiche  Quantum  Geld  für  seine  Leistungen,
während  alles,  was  er  kaust,  mit  Ausnahme  der  Beamtenarbekt,  im  preise
steigt.  Der  Proviant  für  das  Heer,  die  Kohlen  für  Marine,  Eisenbahnen,
die  Steine  für  öffentliche  Bauten  usw.  muß  der  Staat  10  —20  —30%
teurer  bezahlen.  Die  Einnahmen  bleiben  unverändert  (mit  Ausnahme  der
Einkommen-  und  Konsumsteuern  und  der  Bruttoeinnahmen  aus  dem  bei
jeder  Hochkonjunktur  wachsenden  Eisenbahnverkehr),  die  Ausgaben  wachsen.
Resultat:  ein  Defizit,-  eine  Anleihe,-  während  doch  gerade  der  Staat  als
Produzent  und  Schuldner  großen  Gewinn  aus  der  Hochkonjunktur  ziehen  sollte.

Mit  dem  Bankerott  der  Währung  (nichts  anderes  bedeuten  die  Preisausschläge ­
  und  Teuerungszulagen)  geht  ausnahmslos  eine  bedeutende  Anspannung ­
  sämtlicher  produktkonskräste  Hand  in  Hand.  Sowie  es  heißt,  daß
die  preise  anziehen,  daß  eine  neue  Hochkonjunktur  im  Anzuge  sei,  suchen
alle  Kaufleute  und  Unternehmer  sich  durch  Lieferungsverträge  aus  Monate
und  Jahre  hinaus  mit  Waren  zu  decken.  Denn  sie  fürchten,  dem  Wettbewerb ­
  beim  Verkauf  der  Waren  zu  unterliegen,  wenn  sie  zu  den  erwarteten
künftigen  hohen  preisen  kaufen  müßten.  Außerdem  wären  sie  nicht  sicher,
überhaupt  Ware  zu  erhalten,-  denn  alle  Kaufleute  samt  und  sonders  treibt
die  Selbsterhaltungspflicht,  sich  zu  decken,  d.  h.  mehr  als  gewöhnlich  zu
kaufen.  Und  wo  soll  diefes  Mehr  herkommen?
Während  der  letzten  Hochkonjunktur  waren  die  meisten  Fabriken  auf  Monate,  tu  manchen
Zweigen,  z.  B.  der  Textilindustrie,  auf  Jahre  hinaus  verschlossen,  d.  h.  sie  nahmen  keine  Aufträge
mehr  an.
            
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