Full text : Aktive Währungspolitik

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Das  Reichsgeldamt.

Titeln  der  Staatsschulden  bei  einer  Krise  würde  aber  diesen  Mißbrauch  des
Geldes  ganz  offenbar  und  erheblich  erleichtern.  Ohne  Bedenken  ist  also  diese
Methode  nicht.
Sie  hat  außerdem  noch  den  Nachteil,  daß,  wenn  der  Verkäufer  der
Titel  auch  nicht  die  Absicht  hat,  den  Erlös  (Geld)  zu  verscharren,  er  der
Regel  nach  doch  nicht  Waren  kaufen  wird,  sondern  andere  Rententitel J ),  so
daß  das  Geld  erst  auf  Umwegen,  vielleicht  spät  den  Waren  unmittelbar  entgegentreten ­
  wird.  Ehe  das  Geld  des  Reichsgeldamtes  seine  Wirkung  auf
diesem  Wege  ausüben  kann,  wird  Zeit  vergehen,  und  Zeit  heißt  in  solchen
Fällen  Differenzen  —  die  ja  gerade  verhütet  werden  sollen.  Das  Geld  des
Rcichsgeldamtes  soll  unmittelbar  wirken  —  also  unmittelbar  vom  Publikum
gegen  Waren  umgesetzt  werden,  damit  die  Preise  fest  bleiben.  Das  ist  es,
wonach  wir  streben,-  und  so  lange  keine  absolute  Gewähr  gegen  Preisschwankungen
geboten  wird,  müssen  wir  nach  Verbesserung  der  Waffen  trachten,  womit  das
Reichsgeldamt  ausgerüstet  werden  soll.
Darum  lautet  auch  die  dritte  Forderung:
3.  Das  Reichsgeldamt  ist  berechtigt,  durch  St  euer  Zuschläge ­
  und  Steuererlaß  die  für  die  Aufrechterhaltung
der  Währung  nötigen  Geldmassen  einzuziehen  oder
auszugeben.
Das  Geldamt  schreibt  bei  eintretender  Baisse,  um  den  Geldumlauf  zu
vermehren,  einen  Steuererlaß  aus  von  iO  —  30  —  50  oder  mehr  Prozent
auf  alle  Reichssteuern  (inkl.  Matrikularbeiträgen),  und  diesen  Ausfall  bei  den
Steuerkassen  deckt  das  Reichsgeldamt  durch  Ausgabe  neuer  Noten.  Beträgt
dann  der  Mindereingang  bei  den  Reichskassen  bei  x  Prozent  Steuererlaß
100  Millionen,  so  liefert  das  Geldamt  diese  100  Millionen  in  neugedruckten
Banknoten,  die  der  Staat  zu  den  Einnahmen  schlägt.  Das  Volk  aber  kann
mit  den  an  den  Steuern  gesparten  100  Millionen  entsprechend  mehr  kaufen.
Es  hebt  die  Nachfrage  und  die  Preise.  Es  sind  100  Millionen  (oder  200,
500,  1000  Millionen)  mehr  im  Umlauf.  (Die  indirekten  Steuern  und
Zölle  dürfen  von  diesem  Währungssteuererlaß  nicht  berührt  werden,  da  die
Preise  der  versteuerten  Waren  sonst  sinken  würden).
Dieses  System  hat  manches  für  sich.  Sein  Hauptvorzug  ist,  daß  es
unmittelbar  wirksam  ist,  indem  es  keiner  Verteilung  des  dem  Verkehr  zu
übergebenden  Geldes  unter  die  Käufer  bedarf.  Das  in  den  Verkehr  zu
pressende  Geld  ist  schon  verteilt  in  den  Taschen  der  Steuerzahler.  Statt  zur
Steucrkasse  zu  wandern,  wandert  es  zurück  zum  Markte.  Mit  dem  Betrag
des  Steuererlasses  von  5/  100,  1000  Markt  kaust  der  eine  einen  Kanarienvogel, ­
  auf  den  er  der  Steuern  wegen  verzichten  mußte,  der  andere  eine  Nähmaschine, ­
  der  dritte  ein  Reitpferd.  Entsprechend  der  so  gehobenen  Nachfrage
bleiben  die  Preise  aus  der  gewünschten  Höhe.
Aber  das  Geldamt  muß  nicht  nur  gegen  die  Baisse  gewappnet  sein,
sondern  auch  gegen  die  Hausse.  Es  muß  gegen  alle  Schwankungen  der
Währung  bis  an  die  Zähne  bewaffnet  sein.
*)  Die  Besitzer  solcher  Rentenpapiere  gehören  ja  der  Regel  nach  dein  Rentnerstande  an.
            
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