Full text : Tote und lebendige Wissenschaft

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unbegreiflich  finden,  wie  Mar  Weber  sein  Buch  mit  einem  Satze
beginnen  konnte,  der  einen  grellen,  einen  geradezu  elementaren
Widerspruch  enthält.  —  Ferner  sind  auch  die  Ausätze  „in  seinem
Ablauf  und  seinen  Wirkungen"  widerspruchsvoll.  Sie  bedeuten, ­
  daß  das  Handeln  in  seiner  Motivation  —  besonders  als
„innerliches  Handeln"  —  erklärt  werden  soll,  und  daß  auch  die
„Wirkungen"  (wohl  die  auf  die  anderen  Handelnden)  kausalpsychologisch ­
  gefaßt  werden.  —  Endlich  ist  auch  der  Zusatz
„äußeres  oder  innerliches  Tun"  zu  betrachten.  Soll  nur  das
eigentliche  Handeln,  oder  soll  auch  die  Empfindung,  der  Gedanke, ­
  das  Gemüt  (die  gleichsam  als  „inneres  Tun"  zu  fassen
wären)  Gegenstand  der  Soziologie  sein?;  oder  sollen  es  nur
die  unmittelbaren  Voraussetzungen,  die  Gründe  des  äußeren
Tuns,  sein,  die  in  den  Bereich  der  Soziologie  fallen?  Darüber
gibt  die  Definition  in  ihrer  Unklarheit  keinen  endgültigen
Aufschluß.  Hält  man  sich  aber  an  das,  was  wörtlich  gesagt  ist
„äußeres  oder  innerliches  Tun",  dann  soll  nach  Mar  Weber,
wie  ja  nach  manchen  anderen  Soziologen  der  naturalistischen
Richtung,  die  kausaltheoretisch  gedachte  Psychologie  grundsätzlich ­
  ein  Bestandteil  der  Soziologie  sein  —  dies  aber  wieder
trotz  der  ausdrücklichen  Verwahrung  auf  Seite  9,  die  jedoch
selber  gleich  auf  derselben  Seite  mit  dem  Begriffe  des  „Motives"
in  Widerspruch  kommt!
In  der  angeführten  Begriffsbestimmung  streiten  sich  in
der  Tat  alle  jene  Elemente,  die  in  Mar  Webers  nachgelassenen
Entwürfen  —  um  mehr  handelte  es  sich  nicht,  wenn  man  dem
ruhlos  tätigen  Manne  nicht  Unrecht  tun  will  —  gleichfalls  im
hellen  Widersprüche  zu  finden  sind.  Doch  ist  kein  Zweifel,
daß  ihm  der  kausale  Gesichtspunkt  der  durchschlagende  und
herrschende  war!  Denn  trotzdem  er  zugleich  strebte,  das  Verstehende, ­
  Normative,  Nichtkausale  und  Individuell-Geschichtliche ­
  in  seine  Soziologie  hinein  zu  verweben,  blieben  ihm  die
gesellschaftlichen  Erscheinungen  schließlich  immer  ein  System
            
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