Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

ebensowenig  läßt  sich  der  angebliche  Grund  dieser  Belohnung,  die
Übernahme  des  Kapitals  von  600000  aufrecht  erhalten.
Nathan  Mayer,  obgleich  der  hervorragendste  von  Meyer  Amschels
Söhnen,  war  zu  dem  Zeitpunkt  der  französischen  Okkupation  noch
lange  nicht  der  Mann,  auf  den  der  Kurfürst  besondere  Stücke
hielt.  Wie  hätte  der  mißtrauische  Fürst  gestatten  können,  daß  ein
wesentlicher  Teil  seines  Vermögens  einem  Manne  überlassen  wurde,
den  er  persönlich  kaum  kennen  konnte,  da  er  seit  1798  sich  außer
Landes  befand,  und  der  seine  Geschäfte  zunächst  so  selbständig
und  unabhängig  vom  Frankfurter  Mutterhaus  betrieb,  daß  er  an
dem  Gesellschaftsvertrag  von  1810  unbeteiligt  blieb,  und  sein  Vater
nur  ungenügend  über  sein  Tun  und  Lassen  unterrichtet  war.  Im
Juli  des  Jahres  1807,  also  etwa  8  Monate  nachdem  die  Rettung
jener  Summe  stattgefunden  haben  müßte,  hatte  der  Kurfürst,  der
doch  mit  mehreren  Brüdern  Nathan  Mayers  in  fortgesetztem  und
intimstem  persönlichen  Verkehr  stand,  gerade  gegen  den  letzteren
eine  solche  vorgefaßte  Antipathie,  daß  er  seinem  Londoner  Geschäftsträger, ­
  dem  Kriegsrat  Lorentz,  aufträgt,  ihn  ohne  Umstände  abzuweisen, ­
  wenn  er  es  wagen  sollte,  nochmals  nach  des  Kurfürsten
Geldangelegenheiten  zu  fragen,  da  letzteres  ganz  gegen  dessen
Intention  sei  (s.  o.  S.  127).  ln  dieser  Weise  hätte  er  nicht  von  einem
Manne  sprechen  können,  der  für  ihn  die  bedeutende  Summe  von
600  000  ^  zu  verwalten  hatte.  Anders  allerdings  war  das  Verhältnis ­
  des  Kurfürsten  zum  alten  Rothschild.  Dieser  besaß  bereits
im  Jahre  1806  sein  Vertrauen,  aber  doch  auch  nicht  in  dem  Maße,
daß  er  ihm  ohne  weiteres  ein  so  bedeutendes  Stück  seines  Eigentums ­
  zur  unumschränkten  Verwaltung  überlassen  hätte.  Noch  im
Juli  1807  hegt  der  Kurfürst  Bedenken,  ihm  den  Wert  von  nur
200  000  fl  ohne  entsprechende  Sicherheit  in  Händen  zu  lassen,  und
bringt  dies  im  Briefwechsel  mit  Buderus  unverhohlen  zum  Ausdruck ­
 228 .  Ein  Jahr  später,  im  Sommer  1808,  kann  er  sich  nur
mit  schwerem  Herzen  dazu  entschließen,  seinem  Rechnungsführer
Buderus  zu  gefallen  die  Summe  von  223  800  fl  auf  16  Wechsel  an
Meyer  Amschel  zu  leihen,  wonach  dieser  übrigens  gar  nicht  verlangte. ­
  ln  beiden  Fällen  wäre  das  Gebahren  des  Kurfürsten  mehr
als  lächerlich  gewesen,  wenn  Rothschild  bereits  seit  dem  Jahre  1806
im  Besitze  der  kurfürstlichen  Millionen  war.
Als  Meyer  Amschel  so  viel  Vertrauen  gewonnen  hatte,  daß
ihm  die  Realisierung  der  englischen  Konsuls  übertragen  wurde,
            
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