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Das Merkwürdigste am ganzen Gebäude waren und sind heute noch
die Keller. Ein für beide Häuser gemeinsamer Keller nahm den ganzen
Raum unter den beiden Höfen ein. Außerdem hatte jedes Haus seinen
eigenen Hauskeller, der je die Hälfte der bebauten Fläche einnahm. Im
Flur des Rothschildschen Hauses befindet sich gleich hinter der Haustüre
eine große Falltüre, die zum Rothschildschen Hauskeller führt. Hinter dieser
Falltüre ist der Treppenaufgang und unter diesem befindet sich eine Öffnung,
durch die man einen überwölbten schmalen Gang betritt. Dieser Gang
führt im Gewölbewinkel des Hauskellers dicht an der Mauer entlang zum
Hofkeller, der auch vom Nachbarhaus durch einen gleichartigen geheimen
Gang erreichbar ist. Man konnte also, ohne die Straße zu passieren und
ohne die Hofmauer zu übersteigen, von einem Haus in das andere gelangen.
Auch konnten bei einer Haussuchung die etwa im Hofkeller verborgenen
Sachen nicht ohne weiteres entdeckt werden, denn die Eingänge zu den
geheimen Gängen waren leicht durch einen Schrank oder sonstiges Gerät
zu verbergen, und eine Verbindung zwischen Hofkeller und den beiden
Hauskellern gab es nicht. War aber Gefahr vorhanden, so konnte alles,
was sich im Hofkeller befand, ins Nachbarhaus und weiter befördert werden.
2. Daß nicht nur das Haus Nr. 148 zum grünen Schild, sondern auch
das Haus Nr. 147 zur goldenen Arche zwecks Restaurierung angekauft wurde,
erklärt sich daraus, daß die Zwerchhäuser beider Gebäude von einem
Giebel überdacht waren und somit zusammen wieder hergestellt werden
mußten, wenn man das häßliche Aussehen eines halben Giebels vermeiden
wollte. Die Grundfläche der beiden anliegenden Gebäude 146 zur Sichel
und 149 zum roten Hirsch wurde miterworben, weil die beiden umzubauen
den Häuser seitlich durch neue Brandmauern geschützt werden sollten, die
naturgemäß auf den Nebengrundstücken zu errichten waren. Daß außer 146
auch noch 145 zum roten Löwen auf Abbruch gekauft wurde, geschah deshalb,
weil diese beiden Häuser sich nicht nur äußerlich wie ein einziges dar
stellten, sondern auch in die Trennungswand Türen gebrochen waren, um
die Innenräume miteinander in Verbindung zu bringen.
3. Gumpertz Zuntz war im Jahr 1856, als die Stiftung ins Leben trat,
Stiftungsbeamter geworden, und die Almosen Verteilung fand ursprünglich
in seiner Wohnung statt, die dem Stammhaus gegenüber lag.
Rothschilds Vorfahren.
4. Von Isak Elchanan (f 1585) heißt es in seiner Grabschrift nach
Freimanns Übersetzung: „Während seines ganzen Lebens wandelte er in
Unschuld, in Recht und Redlichkeit waren seine Worte, bekannt in Israel
war R. Isak ... in der Ehre seines Namens.“ Sein Enkel Naftali H i rz (f 1685)
„war ein tadelloser Mann, der in Handel und Wandel Treue bekundete, er
gehörte zu denen, die Almosen unter Armen und Dürftigen verteilen“ (Memor-
buch). Moses Kaimann Rothschild (f 1735) „war tadellos in seinem Schaffen
und Wirken, des morgens und abends betete er zu Gott dem Hochthronenden.
Jahre hindurch lag er auf dem Siechbette und hat in Liebe und Vertrauen
alle Prüfungen von dem Erhabensten der Erhabenen ertragen“ (Memorbuch).